Münster. Die Konsolidierung am europäischen Versicherungsmarkt hat in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen. Eine aktuelle Studie untersucht die Ursachen und Auswirkungen dieser Entwicklung und beleuchtet handlungsfähige Strategien für kleinere und mittlere Anbieter. Die zentrale Aussage der European Insurance Study ist die Erkennung der Herausforderungen und Chancen in einem sich wandelnden Markt, der bis 2024 weiterhin starkem Druck ausgesetzt sein wird.
Wachstum und Druck auf Versicherer
Die European Insurance Study der Managementberatung zeb hat in einer umfassenden Analyse die Entwicklungen auf dem europäischen Versicherungsmarkt zwischen 2019 und 2024 betrachtet. Dabei wurden über 2.000 Versicherer mit einem Gesamtumsatz von etwa 1,35 Billionen Euro einbezogen. Die Studie zeigt einen Rückgang der Anbieterzahl um 160, was einem Minus von über 7 Prozent entspricht. Besondere Herausforderungen erfährt der Lebensversicherungssektor, wo die Anbieterzahl um über 10 Prozent gesunken ist, während das Marktwachstum bei lediglich 2,5 Prozent pro Jahr lag.
In der Schadenversicherung beträgt der Rückgang kaum 5 Prozent, allerdings verzeichnen die Märkte hier ein kräftigeres Wachstum von 5,6 Prozent. Die Länder Dänemark, Norwegen und Tschechien sind Beispiele für Märkte, in denen die Konsolidierung im zweistelligen Prozentbereich stattgefunden hat. Im Vergleich dazu zeigen Deutschland und Frankreich nur marginale Veränderungen.
Treiber der Konsolidierung
Die Ursachen für diese Konsolidierung sind vielschichtig. Ein zentraler Faktor ist das geringere Marktwachstum in vielen europäischen Ländern, das in Kombination mit dem demografischen Wandel und einem deutlichen Fachkräftemangel den Druck auf die Versicherungsunternehmen erhöht. Zugleich steigen die Kosten für IT und Digitalisierung. In Deutschland haben diese Ausgaben zwischen 2017 und 2022 um über 30 Prozent auf beinahe 6 Milliarden Euro zugenommen.
Ein weiterer Aspekt sind die gestiegenen regulatorischen Anforderungen. „Die Zahl der relevanten EU-Vorschriften für Versicherer ist seit 2019 von 12 auf aktuell 70 gestiegen. Die Umsetzung dieser Vorgaben bindet erhebliche Ressourcen“, erklärt Dieter Kipp, Partner bei zeb.
Strategien für kleinere und mittlere Anbieter
Angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen stehen kleinere und mittlere Versicherungsunternehmen vor der Herausforderung, ihre strategische Ausrichtung neu zu denken. Die Studienautoren skizzieren drei mögliche Handlungsoptionen:
- Fusionen und Übernahmen können Chancen bieten, Marktanteile zu gewinnen und Synergien zu nutzen, bringen jedoch auch Risiken mit sich, darunter hohe Transaktionskosten und komplexe Integrationsprozesse.
- Spezialisierung auf Nischenmärkte erscheint als vielversprechender Weg, da kleine Anbieter hierüberdurchschnittliche Wachstumsraten und eine hohe Profitabilität erzielen können.
- Partnerschaften spielen eine zunehmend bedeutende Rolle, da sie es ermöglichen, Teile der Wertschöpfung auszulagern und den Fokus auf die Kernkompetenzen zu legen.
Dr. Jan Hendrik Sohl, ebenfalls Partner bei zeb, betont, dass auch kleinere Anbieter den Herausforderungen der Konsolidierung begegnen können, indem sie ihre Position klar definieren und flexibel auf Veränderungen reagieren.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Die Konsolidierung europäischer Versicherungsmarkt hat somit nicht nur Auswirkungen auf die Wettbewerbslandschaft, sondern stellt auch die Weichen für die Zukunft des Sektors. Für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, die auf eine vielfältige Auswahl an Versicherungsprodukten angewiesen sind, wird es entscheidend sein, wie gut kleine und mittlere Anbieter sich anpassen können, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem verdeutlichen die Ergebnisse der Studie die Notwendigkeit, gemeinsam an effizienten Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu arbeiten. Die gesamte Branche wird von diesen Entwicklungen stark betroffen sein. Weitere Details zur Untersuchung sind unter European Insurance Study 2025 | zeb einsehbar.

