München. Die Jahresbilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland zeigt eine besorgniserregende Entwicklung. Produktion und Erzeugerpreise liegen mit -0,5 Prozent leicht im Minus, und auch der Gesamtumsatz ist im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent gesunken. Die Realität für die Branche ist gefüllt mit Herausforderungen, wie der Rückgang der Beschäftigtenzahlen um 0,5 Prozent.
Industrie im Krisenmodus
Die Lage der chemisch-pharmazeutischen Industrie verschlechtert sich zusehends. Markus Steilemann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), beschreibt die gegenwärtige Situation eindringlich: „Die Industrie funkt SOS. 2025 war für unsere Branche erneut sehr schwierig und der Blick nach vorn wird nicht rosiger.“ Der Rückgang der Produktionsanlage auf historisch niedrige 70 Prozent und die steigende Anzahl der Betriebe mit Auftragsmangel verdeutlichen die angespannten Verhältnisse. Insbesondere im Chemiebereich verzeichnete die Produktion einen Rückgang von 2,5 Prozent, während die Pharmaindustrie mit einem Produktionsplus von 3 Prozent und Umsatzplus von über 4 Prozent, jedoch ebenfalls stark unter Druck steht.
Ein Umfrage des VCI unter den Mitgliedsunternehmen ergab, dass 20 Prozent der Betriebe ihre Produktion verlagern oder sogar stilllegen wollen. Dies spiegelt sich auch in den Rückgängen der Beschäftigtenzahlen wider, die 2.400 Menschen weniger in der Branche bedeuten. Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Ein herausfordernder Ausblick
Für das kommende Jahr erwartet der VCI eine stagnierende Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Branche und einen leichten Rückgang von 1 Prozent in der Chemie. Der Umsatz wird voraussichtlich um rund 2 Prozent sinken – sowohl im Inland als auch im Export. Verantwortlich für diese negative Entwicklung sind unter anderem nicht wettbewerbsfähige Produktionskosten und hohe regulatorische Unsicherheiten.
Der VCI sieht dringenden Handlungsbedarf. Sechs zentrale Punkte müssen laut Steilemann umgesetzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern:
- Produktionsstandorte in strategisch wichtigen Sektoren sichern
- Innovationen stärken durch gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung
- Priorisierung von Ausgaben für Bildung, Infrastruktur und Zukunftstechnologien
- Mutige Reformen in der Energie- und Klimapolitik sowie im Behördenwesen
- Entwicklung einer glaubwürdigen Gesamtstrategie für die Industrie
- Neugestaltung der europäischen Gemeinschaft zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
In Anbetracht der Herausforderungen, vor denen die chemisch-pharmazeutische Industrie steht, wird deutlich, wie essenziell die Förderung von Maßnahmen und Unterstützungen ist.
Die Jahresbilanz chemisch-pharmazeutische Industrie verdeutlicht die aktuellen Schwierigkeiten und die Notwendigkeit für Reformen. Es bleibt abzuwarten, wie Unternehmen und Politik gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten werden.

