Berlin. Die End of Life Verordnung Automobilwirtschaft nimmt eine entscheidende Hürde. Nach der Einigung im EU Trilog bewertet der Verband der Automobilindustrie (VDA) die neuen Vorgaben als wichtigen Schritt hin zu einer stärker kreislauforientierten Fahrzeugproduktion. Gleichzeitig macht VDA Präsidentin Hildegard Müller deutlich, dass die Revision der bisherigen Altfahrzeugrichtlinie sehr umfangreich ausfällt und Unternehmen vor erhebliche bürokratische Anforderungen stellt.
Die Verordnung soll die Wiederverwendung und das Recycling von Fahrzeugteilen deutlich ausbauen und wertvolle Rohstoffe stärker im Kreislauf halten. Besonders im Fokus steht die Einführung verbindlicher Quoten für recycelte Kunststoffe in Neufahrzeugen: 15 Prozent nach sechs Jahren, 25 Prozent nach zehn Jahren. Mindestens 20 Prozent davon müssen im geschlossenen Kreislauf aus End of Life Fahrzeugen stammen.
Chancen für mehr Kreislaufwirtschaft, aber offene Fragen
Im Rahmen der End of Life Verordnung Automobilwirtschaft betont der VDA, dass viele Detailfragen noch ungeklärt sind – etwa zur Anerkennung unterschiedlicher Recyclingtechnologien oder zur Sicherstellung belastbarer Herkunftsnachweise. Müller warnt zudem, dass die Closed Loop Vorgabe die Flexibilität der Hersteller einschränkt und wirtschaftlich wie organisatorisch anspruchsvoll ist. Anstelle umfassender Rezyklateinsatzquoten für alle Materialströme sollten laut VDA stärker Anreize geprüft werden, beispielsweise über die Europäische Flottenregulierung.
Die Automobilindustrie investiere bereits umfangreich in Kreislaufprozesse, vom Design über Reparatur- und Rücknahmekonzepte bis hin zur Wiederaufbereitung von Komponenten. Wichtig sei jedoch, dass die bestehenden Hersteller Netzwerke zur Erfüllung von Qualitäts und Sorgfaltspflichten weiter bestehen können. Für den Nutzfahrzeugsektor sieht der VDA zudem erhebliche Risiken in einer ungefilterten Übertragung der Vorgaben auf Aufbau und Anhängerhersteller. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen benötigten spezifische, staatlich begleitete Unterstützungsmaßnahmen.
Die zukünftige Ausgestaltung der End of Life Verordnung Automobilwirtschaft wird entscheidend dafür sein, ob Innovationen gefördert, Wertschöpfung gesichert und praktikable Lösungen entlang der gesamten Lieferkette ermöglicht werden.

