Berlin. Die ukrainischen Feuerwehren stehen seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Fokus der internationalen Gemeinschaft. In einer Online-Fortbildung des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) wurden kürzlich die Strukturen und Herausforderungen dieser Feuerwehren diskutiert. Melanie und Markus Gras aus Boppard, die selbst zahlreiche Hilfstransporte in die Ukraine organisiert haben, gaben den Teilnehmern einen Überblick über die Situation vor Ort, die durch große Unterschiede zum deutschen Feuerwehrwesen geprägt ist.
Herausforderungen für ukrainische Feuerwehren
Die Feuerwehrstrukturen in der Ukraine bestehen aus staatlichen und kommunalen Einheiten. Während die Berufsfeuerwehr in den Städten gemäß verbindlichen Regelwerken operiert, arbeiten die Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land meist unter weitaus krasseren Bedingungen. „In vielen Dörfern sind oft nur drei bis vier Einsatzkräfte tagsüber verfügbar“, stellten die Gras’ fest. Besonders die Wasserversorgung gestaltet sich als große Herausforderung: Es existieren kaum Hydranten oder Löschteiche, was die Einsatzmöglichkeiten stark limitiert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ukrainische Feuerwehren vor besonderen Herausforderungen stehen:
- Mangelnde Ausbildungsressourcen
- Hoher Altersdurchschnitt unter den Einsatzkräften
- Psychische Belastungen durch den Krieg
Im ländlichen Raum gibt es häufig nur ein oder zwei veraltete Feuerwehrfahrzeuge, die oft über 40 Jahre alt sind und zum Teil russischer Bauart stammen. Die benötigten Fahrzeuge für die Löschwasserversorgung sind in der Regel mit Pumpsystemen ausgestattet, die für den Einsatz in der Krisensituation angepasst wurden. Markus Gras merkte hierzu an, dass „Schwimm- und Motorpumpen bei der Löschwasserversorgung zum Einsatz kommen, da die Druckmittel für Hydranten nicht vorhanden sind.“
Übersteigen die Herausforderungen die Möglichkeiten?
Nicht nur der Materialmangel stellt die Feuerwehren in der Ukraine vor unüberwindbare Hindernisse. Immer wieder kommt es zu gezielten Angriffen auf Feuerwachen, wodurch die Einsatzbedingungen weiter verschärft werden. Das Ehepaar Gras berichtete von gefährlichen Situationen, in denen Feuerwehrleute immer wieder das gleiche Einsatzgebiet ansteuern mussten, was zu „Second Hits“ führte, also erneuten Angriffen auf bereits angegriffene Orte. Auch die stark beanspruchten Fahrzeuge sind häufig in einem schlechten Zustand, was die Einsatzfähigkeit erheblich einschränkt.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Trotz dieser Herausforderungen erhalten die ukrainischen Feuerwehren externe Unterstützung, die entscheidend dazu beiträgt, Menschenleben zu retten. „Eure Hilfe hat schon Leben gerettet!“, wird häufig als Antrieb für weitere Hilfstransporte genannt. Aktuell werden neue Fahrzeuge, insbesondere eine Drehleiter und ein Tanklöschfahrzeug, für die nächste geplante Hilfsaktion benötigt.
Ausblick auf die Online-Fortbildung „DFV direkt“
Der Deutsche Feuerwehrverband plant, die erfolgreiche Online-Fortbildungsreihe „DFV direkt“ im kommenden Jahr fortzusetzen. Die ersten Termine für 2026 wurden bereits angekündigt: am 14. Januar wird es um das Thema „Fake News erkennen“ gehen, gefolgt von einem Termin am 18. Februar zum Thema Normung im deutschen Feuerwehrwesen. Weitere Informationen zur Anmeldung und zu vergangenen Veranstaltungen können auf der Webseite des DFV nachgelesen werden.
Mit den Einblicken in die Feuerwehrarbeit und die Herausforderungen, denen die Feuerwehren in der Ukraine gegenüberstehen, haben die Gras’ nicht nur Sachspenden mobilisiert, sondern auch ein Bewusstsein für die Notwendigkeit internationaler Unterstützung geschaffen. Die Feuerwehren in der Ukraine stehen vor immensen Herausforderungen, die es dringend zu adressieren gilt.

