Lausanne. Forscher der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) haben mit „Anyway Systems“ eine Software entwickelt, die das Betreiben großer KI-Modelle auf dezentralen, handelsüblichen Rechnernetzwerken ermöglicht. Damit könnten klassische Rechenzentren für künstliche Intelligenz zukünftig teilweise ersetzt werden. Das bietet neue Chancen für Datenschutz, Datensouveränität und Nachhaltigkeit bei dezentralen KI Systemen.
KI neu gedacht: dezentrale KI Systeme als Alternative zu Rechenzentren
Die traditionellen Infrastrukturmodelle für KI setzen auf zentrale, energieintensive Rechenzentren mit spezialisierten Hochleistungs-GPUs. Diese verursachen nicht nur hohe Betriebskosten, sondern auch große ökologische Belastungen und Abhängigkeiten von wenigen großen Cloud-Anbietern. Im Gegensatz dazu verfolgt das von EPFL-Forschenden entwickelte Anyway Systems einen fundamental anderen Ansatz.
Prinzip und technische Umsetzung
Anyway Systems nutzt ein Netzwerk aus handelsüblichen Rechnern, die lokal vernetzt sind und gemeinsam als Cluster große KI-Modelle ausführen können. Die Software basiert auf Methoden der Selbststabilisierung, um Hardwareschwankungen und Ausfälle einzelner Geräte zu kompensieren. So lassen sich auch komplexe Modelle wie GPT-120B auf wenigen GPUs verteilter Hardware ausführen – bisher war dafür eigens konzipierte Server-Hardware notwendig.
Dadurch wird der enorme Energie- und Ressourcenbedarf reduziert. Die zentrale Verarbeitung großer Datenmengen entfallen. Zudem bleibt die Datenverarbeitung im eigenen Netzwerk, was die Datensouveränität stärkt.
Vorteile für Datenschutz und Nachhaltigkeit
Der dezentrale Ansatz verringert die Abhängigkeit von Cloud-Anbietern, die häufig sensible Daten aus der lokalen Umgebung in entfernte Rechenzentren übertragen. Gerade in Bereichen wie Gesundheitswesen oder Verwaltung ist das ein wichtiger Vorteil.
Auch die Umwelt profitiert. Statt neue, leistungsintensive Rechenzentren mit hohem Strom- und Wasserverbrauch zu errichten, kann vorhandene Hardware besser genutzt und Energie gespart werden. Das geht mit einer nachhaltigen KI-Nutzung einher, die sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte berücksichtigt.
Zukunftsaussichten für dezentrale KI Systeme
Die Anyway Systems-Software ist aktuell vor allem für institutionelle Netzwerke mit mehreren Rechnern geeignet, allerdings noch nicht für einzelne Endgeräte im Heimgebrauch. Die Entwickler setzen jedoch auf schnelle technologische Fortschritte und eine breitere Akzeptanz.
„Für Jahre haben die Leute geglaubt, dass es nicht möglich sei, große Sprachmodelle und KI-Tools ohne riesige Ressourcen zu haben, aber das ist nicht der Fall und schlauere, sparsamere Ansätze sind möglich“, sagte Professor Rachid Guerraoui, Leiter des DCL an der EPFL.
Das EPFL-Team will mit diesem Projekt langfristig eine Alternative zum bisherigen, stark zentralisierten KI-Betrieb etablieren. Dabei spielen neben technischen Verbesserungen auch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle.
Dezentrale KI Systeme als Schritt zu nachhaltiger und souveräner KI-Infrastruktur
In Zeiten steigender Anforderungen an Umweltverträglichkeit und Datenschutz gewinnen dezentrale KI Systeme wie Anyway Systems zunehmend an Bedeutung. Sie bieten eine echte Alternative zu energieintensiven Rechenzentren, indem sie lokale Netzwerke effizient nutzen und Datenhoheit gewährleisten. Für Regionen wie Deutschland eröffnet sich dadurch Potenzial, KI-Infrastrukturen selbstbestimmter und nachhaltiger zu gestalten.
Die Technologie befindet sich derzeit in einem Pilotstadium und wird bereits in Schweizer Unternehmen und Verwaltungen getestet. Perspektivisch könnten dezentrale KI Systeme auch hierzulande eine stärkere Rolle spielen – als Teil einer verantwortungsbewussten digitalen Zukunft.
Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf regionalupdate.de sowie bei der École polytechnique fédérale de Lausanne.

