Heinz Peter Steiner

Behörden-IT in Deutschland macht große Fortschritte

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Köln. Die digitale Transformation Verwaltung in Deutschland macht unerwartet große Fortschritte, die häufig nicht ausreichend gewürdigt werden, wie Heinz-Peter Steiner, Leiter des Sektors Öffentliche Verwaltung bei der Timetoact Group, betont. Besonders das Onlinezugangsgesetz (OZG) zeigt Erfolge in der Bereitstellung digitaler Verwaltungsleistungen.

Digitale Verwaltung Fortschritt

Erfolg des Onlinezugangsgesetzes (OZG)

Seit Anfang 2025 sind alle 115 im OZG priorisierten Verwaltungsleistungen bundesweit online verfügbar. Die Nutzerbewertungen sind durchweg positiv, so wurden beispielsweise 70 Prozent der Elterngeld-Antragsteller mit der Online-Beantragung zufrieden verzeichnet. Die digitale Gewerbeanmeldung ist in über 80 Prozent der Kommunen möglich und verkürzt die Bearbeitungszeit von Wochen auf wenige Tage. Darüber hinaus wird die Wohngeld-Anmeldung in allen Bundesländern online angeboten, was durch eine automatisierte Prüfsoftware die Fehlerquote deutlich reduziert.

Trotz dieser Erfolge wird in der Öffentlichkeit oftmals kritisiert, dass nur rund 39 Prozent der insgesamt 575 OZG-Verwaltungsleistungen flächendeckend digitalisiert sind. Laut Timetoact Group liegt dies daran, dass zunächst priorisierte Leistungen mit hoher Nutzerfrequenz umgesetzt wurden, während viele der verbleibenden Leistungen spezifische Nischenanwendungen betreffen, etwa Erlaubnisse für exotische Kleintiere oder lokale Angelscheine.

Föderalismus als Herausforderung der Digitalisierung

Die föderale Struktur Deutschlands mit 16 Bundesländern und über 11.000 Kommunen erschwert eine einheitliche Digitalisierung. Etwa 90 Prozent der Verwaltungsleistungen fallen in die Zuständigkeit der Länder und Kommunen, die unterschiedliche Systeme, Ressourcen und Prioritäten haben. Dies führt zu Verzögerungen und Komplexitäten, die in zentralistisch organisierten Staaten wie Finnland oder Estland weniger ausgeprägt sind. Dänemark und Schweden zeigen, dass eine bessere Koordination trotz föderaler Strukturen eine stärkere Digitalisierung ermöglicht, gestützt durch nationale Behörden mit Kompetenz zur Vorgabe von Standards.

„Die föderale Struktur bringt viele Vorteile mit sich, aber bei der Digitalisierung stellt sie eine Hürde dar, die nur mit vielen kleinen Schritten überwunden werden kann“, erklärte Heinz-Peter Steiner.

Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung

Die Timetoact Group betont das große Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI) für die öffentliche Verwaltung, etwa bei der Effizienzsteigerung in Fachverfahren. Das Beratungszentrum für Künstliche Intelligenz des Bundesministeriums des Innern dokumentiert 179 KI-Projekte, darunter 32 in der öffentlichen Verwaltung. KI-Anwendungen wie Chatbots unterstützen bereits heute Bürgerinnen und Bürger in Städten wie Berlin oder Heidelberg. Gleichzeitig ist ein verantwortungsvoller Umgang erforderlich, um die Grundwerte der Verwaltung – Zuverlässigkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit – zu gewährleisten und Fehler durch sogenannte KI-Halluzinationen zu vermeiden.

Perspektiven des digitalen Zukunftsprogramms „Next Germany“

Das von Digitalminister Dr. Karsten Wildberger initiierte Zukunftsprogramm „Next Germany“ erhält bisher zu wenig Aufmerksamkeit. Es kombiniert die digitale Verwaltung mit der Einführung einheitlicher digitaler Ausweisdokumente, darunter Digitale-ID, Führerschein und Versicherungskarte. Das Ziel ist es, ein Smartphone-Wallet als Schlüssel für einen bundesweit einheitlichen Digitalstandard einzuführen. Zeitlich ist der Prozess bis Anfang 2027 angesetzt, wobei Sicherheit Vorrang vor Schnelligkeit hat. Gleichzeitig soll die digitale Souveränität Deutschlands gestärkt werden, indem die Abhängigkeit von US-amerikanischen IT-Anbietern reduziert wird.

Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger und Ausblick zur digitalen Transformation Verwaltung

Die Fortschritte in der digitalen Transformation Verwaltung bedeuten für Bürgerinnen und Bürger kürzere Bearbeitungszeiten, bequemere Online-Zugänge und weniger Fehler in Anträgen. Die Herausforderungen des föderalen Systems erfordern weiterhin koordinierte Anstrengungen über Bund, Länder und Kommunen hinweg. Das Programm „Next Germany“ verspricht langfristig nutzerfreundliche und sichere digitale Identitätslösungen. Für 2026 und 2027 sind weitere Maßnahmen und Projekte geplant, die diese Entwicklung vorantreiben.

Weiterführende Informationen zur Digitalisierung der Verwaltung finden Interessierte auf regionalupdate.de und auf der Webseite des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat: BMI – Digitalisierung.

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