Hamburg. Die norddeutsche Industrie sieht die US-Handelspolitik zunehmend kritisch, wie eine Blitzumfrage von NORDMETALL und AGV NORD zeigt. Die Mehrheit der Unternehmen bewertet die aktuelle Zollpraxis der USA als „eher schlecht“ oder sogar „schädlich“, angepasst an die Fokus-Keyphrase Norddeutsche Industrie US-Handel.
Norddeutschlands Handel jetzt – aktuelle Herausforderungen und Anpassungen der norddeutschen Industrie im US-Handel
Status quo der Handelsbeziehungen zwischen Norddeutschland und den USA
Mehr als die Hälfte der norddeutschen Industrieunternehmen exportieren aktuell Waren in die USA, während 22 Prozent Güter aus den Vereinigten Staaten beziehen. Die Zahlen haben sich seit einer vergleichbaren Umfrage im Jahr 2016 kaum verändert. Allerdings lässt sich ein Rückgang bei den Firmen mit eigenen US-Vertriebsfilialen beobachten, von 24 auf 20 Prozent.
Nur noch fünf Prozent der befragten Unternehmen gehören einem US-Mutterkonzern an, gegenüber zehn Prozent vor zehn Jahren. Die Zahl der norddeutschen Unternehmen mit Fertigungsstandorten in den USA ist hingegen leicht von 12 auf 14 Prozent gestiegen. Insgesamt pflegen 37 Prozent der Firmen keine Geschäftsbeziehungen zu den USA, ein leichter Rückgang gegenüber 40 Prozent im Jahr 2016.
Einschätzung der US-Handelspolitik und Reaktionsstrategien
86 Prozent der befragten norddeutschen Industrieunternehmen bewerten die US-Handelspolitik als „eher schlecht“ oder „schädlich“. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren dies nur 42 Prozent. Im Falle eskalierender Handelskonflikte erwarten 27 Prozent der Unternehmen einen Rückgang ihrer Exporte in die USA, mit durchschnittlichen Verlusten von rund 30 Prozent ihres gesamten US-Exports.
Um die Abhängigkeit von den USA zu verringern, setzen 28 Prozent der Firmen auf eine Reduzierung ihrer digitalen Infrastrukturabhängigkeit. 24 Prozent verlagern ihre Exportaktivitäten auf andere Märkte und 17 Prozent streben eine eigenständigere Gestaltung ihrer Lieferketten abseits der USA an.
Zukunftsaussichten und Risiken für die norddeutsche Industrie
Viele Unternehmen sehen den Zugang zum US-Markt künftig erschwert: 46 Prozent befürchten eine schlechtere Marktzugangssituation, 38 Prozent erwarten Einschränkungen beim freien Personalaustausch. Zudem rechnen 36 Prozent damit, dass sie gezwungen sein könnten, direkt in den USA zu produzieren, um dort wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Bedenken haben sich seit 2016 deutlich verstärkt.
Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL und AGV NORD, unterstreicht die Problematik:
„Jeder Handelskonflikt mit den USA trifft auch die norddeutsche Wirtschaft empfindlich, und das Vertrauen in die seit mehr als hundert Jahren gewachsenen Beziehungen erodiert stetig. Das ist die schlechte Nachricht. Doch die Umfrage zeigt auch, dass unsere Mitgliedsunternehmen auf diese Entwicklung reagieren: Sie kehren den Vereinigten Staaten zunehmend den Rücken und richten sich neu aus – auf jene Märkte, die künftig größere Exportchancen eröffnen.“
Er betont die Bedeutung neuer Handelsabkommen wie mit Indien und dem Mercosur als Chancen für die Stärkung der Exportmärkte außerhalb der USA.
Überblick der Reaktionen der norddeutschen Industrie auf US-Handelspolitik
- 86 Prozent bewerten US-Zollerhöhungen als nachteilig
- 27 Prozent erwarten Exportrückgänge in den USA
- 28 Prozent reduzieren digitale Infrastrukturabhängigkeit von den USA
- 24 Prozent verlagern Exporte auf andere Länder
- 17 Prozent streben unabhängige Lieferketten an
Diese Maßnahmen zeigen ein gezieltes Bestreben, Risiken zu minimieren und sich auf globale Marktentwicklungen einzustellen.
Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der norddeutschen Industrie im US-Handel
Die norddeutsche Industrie steht vor erheblichen Herausforderungen durch die US-Handelspolitik. Die Unternehmen planen weiterhin, ihre Abhängigkeiten zu reduzieren und setzen verstärkt auf diversifizierte Exportmärkte. Dabei gewinnen alternative Handelsabkommen innerhalb und außerhalb der EU an Bedeutung.
Die nächsten Schritte orientieren sich laut NORDMETALL und AGV NORD an politischen Entwicklungen und weiteren internationalen Handelsabkommen. Die wirtschaftliche Lage bleibt volatil, weshalb die Industrie auf flexible und strategische Anpassungen setzt. Weitere Informationen zur Studie finden Sie direkt auf nordmetall.de.
Lesen Sie auch den Beitrag zu Handelsabkommen der EU und deren Bedeutung für deutsche Unternehmen auf der Seite der Europäischen Kommission.
Mehr zu regionalen Wirtschaftsthemen im Norden finden Sie unter regionalupdate.de.

