Berlin. Heute findet in Berlin der 1. Deutsche Präventionsgipfel des AOK-Bundesverbands statt, der unter der Leitung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eröffnet wird. Im Mittelpunkt steht die Debatte um eine stärkere politische Priorisierung der Gesundheitsvorsorge unter der Fokus-Keyphrase Präventionsgipfel Deutschland Gesundheit.
Prävention jetzt starten
Die steigenden Sozialbeiträge und hohen Krankheitskosten setzen Deutschland zunehmend unter Druck. Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, betont die Notwendigkeit einer politischen Präventionswende. Sie verweist darauf, dass Prävention mittlerweile ernster genommen wird und sich das Verständnis weiterentwickelt habe: Es gehe nicht nur um individuellen Lebensstil, sondern auch um verhältnispräventive und fiskalische Maßnahmen.
Internationale Beispiele als Vorbild
Auf dem Präventionsgipfel werden erfolgreiche Politiken aus Litauen, Großbritannien und den Niederlanden vorgestellt. In den Niederlanden konnte beispielsweise durch eine konsequente Tabakpolitik die Raucherquote um 30 Prozent gesenkt werden. Litauen verzeichnete Erfolge bei der Reduzierung des Alkoholkonsums, während Großbritannien Maßnahmen für gesündere Ernährung implementiert hat. Deutschland habe hiernoch Nachholbedarf und setze vielfach nur auf freiwillige Selbstverpflichtungen.
Herausforderungen und Chancen für Deutschland
Laut Dr. Gundo Aurel Weiler von der WHO steht Deutschland vor erheblichen demografischen und finanziellen Herausforderungen. Die Implementierung effektiver Präventionsmaßnahmen sei seit Jahren ins Stocken geraten. Weiler empfiehlt, sich auf die Haupt-Risikofaktoren wie Alkohol, Tabak, Zucker, Salz, Fett und Luftverschmutzung zu konzentrieren, um gesundheitliche Verbesserungen zu erzielen.
„Deutschland könnte die Zahl der jährlichen Krebserkrankungen um 63.000 Fälle reduzieren und Einsparungen von elf Milliarden Euro im Gesundheitssystem realisieren“, so der WHO-Experte.
Diese Einsparungen entsprechen dem prognostizierten Finanzloch der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das Jahr 2027.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Bedeutung für die Bevölkerung und nächste Schritte
Die volkswirtschaftlichen Kosten ungesunder Lebensweisen in Deutschland sind erheblich: Die Universität Hamburg schätzt die Kosten des Tabakkonsums auf 97 Milliarden Euro jährlich, jene für Adipositas auf 63 Milliarden Euro und für Alkohol auf 57 Milliarden Euro. Die AOK fordert daher eine ressortübergreifende Präventionspolitik, die Gesundheit in allen Politikbereichen verankert und gesunde Verhaltensweisen fördert, ohne Bevormundung zu betreiben.
Für Bürgerinnen und Bürger könnten effektivere Präventionsmaßnahmen zu längeren gesunden Lebensjahren und reduzierten Krankheitskosten führen. Die Erkenntnisse und Impulse aus dem Präventionsgipfel sollen nach Angaben des AOK-Bundesverbands in die geplante Gesetzesinitiative der Bundesregierung für Prävention einfließen.
Weitere Informationen zum Gipfelprogramm und zur Übertragung finden Sie auf der Webseite der AOK sowie den Livestream ab 15:00 Uhr. Ausführliche Hintergrundinformationen zur Gesundheitspolitik in Deutschland bietet das Online-Magazin regionalupdate.de.

