Berlin. Pharma Deutschland lehnt die geplante Gruppenbildung bei patentgeschützten Arzneimitteln („Cluster“) ab. Die Branche warnt, dass diese Praxis zu einer Versorgung nach der Finanzlage der Krankenkassen statt nach medizinischem Bedarf führen könnte.
Bürokratie statt Versorgung bei patentgeschützten Arzneimittel Cluster
Pharma Deutschland kritisiert die Forderung einiger Krankenkassen, patentgeschützte Arzneimittel in Gruppen („Cluster“) einzuteilen, um so besonders kostengünstige Präparate zu bevorzugen. Die Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann warnt, diese Regelung könne dazu führen, „dass nicht mehr die Ärztin oder der Arzt entscheidet über die beste Therapie, sondern die Krankenkasse nach den Kosten“. Gerade bei chronischen und schweren Erkrankungen sei jedoch die individuelle Auswahl des Wirkstoffs, das Nebenwirkungsprofil und die richtige Therapiesequenz für den Behandlungserfolg entscheidend.
Die Möglichkeit, in Einzelfällen von der vorgegebenen Therapie abzuweichen, sieht Pharma Deutschland als unzureichend an, da dies die Ausnahmeregelungen so eng fasse, dass die Behandlung insgesamt durch die wirtschaftlichen Vorgaben der Krankenkassen geprägt werde.
Erhöhung der Bürokratie
Neben der medizinischen Kritik weist die Branche auf den erheblichen Verwaltungsaufwand hin, den die Cluster-Verfahren mit sich bringen würden. Brakmann erläutert, dass nach EU-HTA, AMNOG-Nutzenbewertung und Erstattungsbetragsverhandlungen zusätzlich für jedes patentgeschützte Arzneimittel separate Verträge mit den rund 93 Krankenkassen geschlossen werden müssten. Dies könnte zu theoretisch bis zu 232.500 Einzelverträgen führen, die regelmäßig aktualisiert werden müssten.
Selbst wenn Krankenkassen Kooperationsmodelle zur Reduzierung der Vertragspartner bildeten, bliebe die Zahl mit geschätzten 125.000 Verträgen alle zwei Jahre hoch. Pharma Deutschland sieht darin „keine Effizienzsteigerung, sondern eine Bankrotterklärung des Systems“. Die Ressourcen flössen so verstärkt in Verwaltung statt in die Versorgung und die zügige Einführung neuer Medikamente.
Bedeutung für die Arzneimittelversorgung
Pharma Deutschland als der größte Branchenverband in Deutschland vertritt rund 400 Unternehmen, die einen großen Teil der Arzneimittelversorgung sicherstellen. Laut Verband stellen diese Unternehmen fast 80 Prozent der rezeptfreien sowie knapp zwei Drittel der rezeptpflichtigen Arzneimittel für Apotheken bereit.
„Wenn man den Preis über den Nutzen stellt, riskiert man schlechtere Behandlungsergebnisse. Damit wird das AMNOG ad absurdum geführt und eine Rationierung durch die Hintertür eingeführt“, sagte Dorothee Brakmann.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Schlussbetrachtung: Auswirkungen auf regionale Patientenversorgung und Ausblick
Die Ablehnung der Gruppenbildung („Cluster“) bei patentgeschützten Arzneimitteln durch Pharma Deutschland hat auch für Patientinnen und Patienten in der Region erhebliche Relevanz. Eine stärkere Kostenorientierung könnte die individuelle Therapieeinscheidung durch Ärztinnen und Ärzte einschränken und somit die Qualität der Versorgung beeinträchtigen.
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies, dass sie weiterhin auf eine medizinisch fundierte Auswahl von Medikamenten angewiesen sind, die nicht rein über Kostengesichtspunkte definiert wird. Pharma Deutschland fordert, dass die Nutzenbewertung nach AMNOG weiterhin im Zentrum stehe und keine zusätzliche Rationierung durch Verwaltungsverfahren eingeführt werde.
Ob und wie Krankenkassen die Forderungen nach Cluster-Bildungen umsetzen, bleibt abzuwarten. Aktuell fordert der Verband eine Vermeidung von Mehrfachverträgen und eine Vereinfachung der Prozesse. Für weiterführende Informationen zur Arzneimittelversorgung in Deutschland bietet sich ein Blick auf die Webseite von Pharma Deutschland an. Allgemeine Informationen über das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) sind auch auf den Seiten des Gemeinsamen Bundesausschusses verfügbar.
Weiterführende Infos zur Arzneimittelversorgung in Deutschland finden Sie auch in unserem Magazin auf regionalupdate.de.

