Beim IHK-Fachkräfteeinwanderungsdialog in Lingen wurde die Notwendigkeit einer Entbürokratisierung der Fachkräfteeinwanderung hervorgehoben. Experten diskutierten über zentrale Herausforderungen und konkrete Lösungen für Unternehmen.
Komplexität des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes
Dr. Holger Kolb vom Sachverständigenrat für Integration und Migration betonte während des IHK-Fachkräfteeinwanderungsdialogs im IT-Zentrum in Lingen, dass die Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes zwar die Einwanderung ausländischer Fachkräfte erleichtert hat, jedoch die Anwendung für Unternehmen komplexer geworden ist. Die Vielzahl detaillierter Regelungen mache es besonders für kleine und mittelständische Unternehmen schwer, den Überblick zu behalten. Kolb fordert daher bessere Beratungsangebote.
Neuer beschleunigter Prozess für Fachkräfte
Roman Pletnev, Leiter der Zentralstelle für das beschleunigte Fachkräfteverfahren in Niedersachsen, stellte die neuen Abläufe vor. Seit Einführung im März 2020 sind die Zuständigkeiten bei den 52 kommunalen Ausländerbehörden. Mit der Eröffnung der Zentralstelle am 1. Juli 2025 werden die Verfahren nun zentral in Osnabrück bearbeitet. Pletnev erläuterte, dass die Zentralstelle Unternehmen unterstützt, um effizientere Abläufe zu gewährleisten und ihnen Orientierung zu bieten.
Erfahrungen aus der Praxis
Vertreter von Unternehmen berichteten von ihren Erfahrungen. Markus Overberg, Personalleiter der Kampmann Group, konstatierte, dass die bürokratischen Hürden und lange Verfahrenszeiten die Integration ausländischer Fachkräfte erschweren. Dennoch sei das Erlernen der Sprache entscheidend für den Integrationserfolg. Thomas Schultejans von der B. Schlichter GmbH & Co. KG ergänzte, dass der Personalbedarf nicht vollständig aus dem heimischen Arbeitsmarkt gedeckt werden könne, weshalb das Unternehmen seit zwei Jahrzehnten international rekrutiere.
Lisa-Marie Klein von Eiffage Infra-Nordwest GmbH berichtete von positiven Erfahrungen mit Auszubildenden mit Fluchterfahrung und der verstärkten internationalen Rekrutierung. Diese Erlebnisse verdeutlichen, wie wichtig internationale Fachkräfte für die regionale Wirtschaft sind.
Dr. Maria Deuling, IHK-Projektleiterin, forderte schließlich eine Vereinfachung der Vorschriften und einen konsequenten Bürokratieabbau. Um die bestehenden Verfahren erfolgreich zu nutzen, sieht sie die IHK in der Verantwortung, Unternehmen umfassend zu beraten und zu begleiten.
Zusammenfassend zeigt der Dialog, dass internationale Fachkräfte eine bedeutende Chance für die regionale Wirtschaft darstellen, jedoch Maßnahmen zur Entbürokratisierung notwendig sind, um das volle Potenzial ausschöpfen zu können.
