Coface Kongress: Reformen für Deutschlands Wirtschaft gefordert

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Am 23. April 2023 fand der 19. Coface Kongress in Mainz statt, bei dem Experten grundlegende Reformen für die deutsche Wirtschaft forderten. Angesichts von Reformstau und geopolitischen Risiken wurden entscheidende Weichenstellungen für eine wettbewerbsfähige Zukunft diskutiert.

Strukturelle Defizite im Bildungssystem

Die Soziologin Prof. Jutta Allmendinger betonte, dass die Herausforderungen der deutschen Wirtschaft bereits in der Bildung beginnen. So seien die Chancen auf Bildung in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängig, was sich negativ auf Innovations- und Wachstumspotenziale auswirkt. Allmendinger forderte mehr Flexibilität in Bildungs- und Erwerbsbiografien sowie eine Abkehr von übermässiger Zertifikatsorientierung, um Menschen länger in Arbeit zu halten. Ein flexibler Übergang in den Ruhestand und bessere Rahmenbedingungen für hochqualifizierte Frauen seien ebenfalls notwendig.

Unternehmen fordern Planungssicherheit

Die Paneldiskussion verdeutlichte die große Enttäuschung vieler Unternehmen über die derzeitige politische Umsetzungskraft. Bianca Illner vom VDMA machte deutlich, dass schnelle, verlässliche Reformen unerlässlich seien, um die Stagnation zu überwinden. Dafür seien weniger Bürokratie und Planungssicherheit notwendig. Fehlende Rahmenbedingungen führten dazu, dass Investitionen ins Ausland abfließen. Andrea Thoma-Böck, Geschäftsführerin der Thoma Metallveredelung GmbH, kritisierte, dass viele angekündigte Maßnahmen nicht umgesetzt wurden und dass die Entwicklung der Insolvenzen alarmierend sei. „Alle 22 Minuten stirbt in Deutschland ein Unternehmen“, warnte sie.

Innovation als Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit

Dieter Worf vom Mainzer Konzern Schott forderte grundlegende Reformen und einen mutigeren Ansatz bei der politischen Umsetzung. Innovation müsse aktiv gefördert werden, statt durch regulatorische Hürden gebremst zu werden. Frank Sieren, China-Experte, warnte, dass Deutschland sich stärker auf eigene Stärken fokussieren müsse, um in einer zunehmend multipolaren Weltordnung konkurrenzfähig zu bleiben. Aktuelle Wirtschaftsrisiken wie geopolitische Spannungen und hohe Finanzierungskosten belasten die Unternehmen weiterhin, wie Coface-Volkswirt Markus Kuger erläuterte. Trotz rückläufiger Energiepreise bleibt die Kostensituation angespannt.

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