Die Kunststoff-Recycling-Branche steht vor einem tiefen Umbruch. Eine Untersuchung des Wuppertal Instituts zeigt, dass neue Impulse zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit dringend notwendig sind.
Kunststoff-Recycling unter Druck
Die Kunststoff-Recycling-Branche sieht sich aktuell mit großen Herausforderungen konfrontiert. In einem Positionspapier, das heute auf der Umwelttechnologie-Messe IFAT in München vorgestellt wurde, fordert das Wuppertal Institut im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) neue Impulse für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Aktuell ist die Lage als dramatisch zu beschreiben, da die Nachfrage nach Rezyklaten nach wie vor niedrig ist und viele Unternehmen in der Branche aufgeben müssen.
Innovationen für eine Kreislaufwirtschaft
„Eine umfassende Kreislaufwirtschaft sollte für Kunststoff der Kompass sein“, betont DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Um die wertvolle Wertschöpfungskette Kunststoff zu bewahren, sei es wichtig, innovative Technologien zu fördern und auf den Markt zu bringen. Die derzeit noch weitgehend lineare Organisation der Kunststoffherstellung führt zu enormen Abfallmengen und dem Bedarf an fossilen Rohstoffen. Bonde fordert eine radikale Abkehr vom aktuellen „take-make-waste“-Modell, um nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen.
EU-Verpackungsverordnung bringt Veränderungen
Ein weiterer Grund für die Unsicherheit in der Branche ist die bevorstehende EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die ab dem 12. August 2026 in Kraft tritt. Diese soll Mindestquoten für Rezyklate einführen und die Recyclingfähigkeit von Verpackungen verbessern. Die Anforderungen könnten jedoch dazu führen, dass Unternehmen verstärkt auf Rezyklat-Importe aus dem Ausland angewiesen sind, wohlmöglich bevor die einheimische Recyclingkapazität nicht genügend Wachstum erzielt hat.
Professor Dr. Henning Wilts, Autor des Positionspapiers, hebt hervor, dass eine bedeutende Reduzierung der Materialvielfalt sowie umfassende öffentliche Beschaffungsstrategien notwendig sind, um die Nachfrage nach Kunststoffrezyklaten zu erhöhen. Eine „Plastikabgabe“, die Umweltkosten bei der Produktion von Kunststoff integriert, könne ebenfalls ein effektives Mittel sein, um nachhaltiges Handeln zu fördern.
Globale Herausforderung
Mit jährlich rund 431 Millionen Tonnen weltweit produziertem Kunststoff und einer Recyclingquote von unter 20 Prozent in Deutschland ist die Herausforderung für die Branche groß. Wilts warnt vor der drohenden Rezyklatlücke, die nicht nur die Umwelt belastet, sondern auch eine Vielzahl von Industrien betrifft, die auf nachhaltige Materialien angewiesen sind. Innovative Technologien könnten helfen, den Recyclinganteil deutlich zu erhöhen, scheitern jedoch häufig daran, dass sie nicht in den Markt integriert werden.
Die Forschung und Industrie sind aufgerufen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, um die Kunststoff-Recycling-Branche zu retten und zukunftssicher zu gestalten. Dies könnte nicht nur den Klimaschutz voranbringen, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken.

