Tatvorwürfe gegen TÜV SÜD-Manager drohen zu verjähren

Anzeige

Die Staatsanwaltschaft München I prüft derzeit schwere Vorwürfe gegen einen TÜV SÜD-Manager im Zusammenhang mit dem Dammbruch in Brumadinho, Brasilien. Die Ermittlungen sind bereits seit fast sieben Jahren im Gange und drohen nun zu verjähren.

Hintergrund des Dammbruchs in Brumadinho

Der Dammbruch in der Eisenerzmine nahe Brumadinho gilt als eine der schwersten Umweltkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Im Januar 2019 entglitt eine massive Schlammlawine, die 270 Menschenleben kostete und massive Umweltschäden verursachte. Kurz vor dem Unglück hatte eine Tochtergesellschaft des TÜV SÜD noch die Stabilität des Dammes bescheinigt. Die Zentrale des TÜV SÜD in München ist nun im Fokus der Ermittlungen, da ein Manager möglicherweise von den riskanten Bedingungen in Brasilien Kenntnis hatte.

Ermittlungen und Verjährungsfristen

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat angekündigt, frühestens Ende dieses Jahres eine Entscheidung über mögliche Anklagen wegen fahrlässiger Tötung zu treffen. Doch die lange Dauer der Ermittlungen gibt Grund zur Sorge, dass die Vorwürfe verjähren könnten. Bei einer Anklage müsste ein Urteil bis Anfang 2029 gefällt werden. Aufgrund der komplexen technischen Fragen und der erforderlichen Beweissicherung aus Brasilien könnte sich ein Gerichtsverfahren jedoch weiter hinauszögern.

Reaktionen und Herausforderungen

Die Staatsanwaltschaft gesteht ein, dass die Ermittlungen durch Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Unterlagen aus Brasilien belastet sind. Menschenrechtler und Experten kritisieren die behördlichen Abhandlungen und fordern eine intensivere Auseinandersetzung mit der Materie. Laut Miriam Saage-Maaß vom ECCHR liegen die strukturellen Schwächen des deutschen Rechtssystems in der mangelnden Priorisierung transnationaler Verfahren.

Die Staatsanwaltschaft München I stellt jedoch klar, dass die Ermittlungen voranschreiten und bekräftigt, es handele sich um ein priorisiertes, komplexes Verfahren. Gleichzeitig steht ein Zivilprozess am Landgericht München an, in dem Schadensersatzforderungen von fast 1.500 Angehörigen gegen den TÜV SÜD anhängig sind.

Trotz aller Vorwürfe betont Florian Stork, Leiter der Rechtsabteilung bei TÜV SÜD, die Unschuld des Unternehmens. Er zeigt sich erschüttert über das Unglück, das sich in Brumadinho ereignete, bleibt jedoch bei seiner Überzeugung, dass sein Unternehmen keine juristische Verantwortung trägt.

Weiterlesen

Jetzt den kostenlosen Regionalupdate-Newsletter abonnieren.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel