Grafschaft Bentheim: Neue Mähtechnik soll Insekten und Artenvielfalt am Wegesrand schützen

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Wer derzeit auf den Straßen und Wegen im Landkreis Grafschaft Bentheim unterwegs ist, begegnet einem auffälligen orangefarbenen Mähfahrzeug mit einem ungewöhnlichen Schlauchsystem. Auf der Rückseite steht: „Bitte haben Sie etwas Geduld. Wir mähen insektenschonend für mehr Artenvielfalt am Wegesrand.“ Dahinter steckt ein Gemeinschaftsprojekt von Landkreis und allen sieben kreisangehörigen Kommunen.

Messerbalken statt Mulcher – so funktioniert die neue Methode

Bislang wurden die kommunalen Wegerandstreifen überwiegend gemulcht. Das Problem: Mulchschichten entziehen Kräutern und Wildblumen Licht und Luft, fördern Vergrassung und kosten durch die Sogwirkung herkömmlicher Mähgeräte zahlreichen Insekten, Fröschen und Kröten das Leben.

Das neue Fahrzeug arbeitet anders. Ein Messerbalken schneidet das Grün sauber ab, ohne Sogwirkung. Das Schnittgut wird mechanisch über einen Schlauch in einen Container befördert, dort zerkleinert und anschließend über mehrere Monate fermentiert – am Ende steht ein Dünger, der auf kommunalen Flächen wiederverwendet werden kann. „Ohne die Mulchschichten kommt jetzt die Artenvielfalt zurück und wir können das Landschaftsbild mit blühenden Wegerandstreifen neu beleben“, erklärt Erik Rosche von der Kreisverwaltung.

530.000 Euro Investition – zu 92 Prozent gefördert

Die Maschinenkombination hat rund 530.000 Euro gekostet. 488.000 Euro davon werden über LEADER-Mittel finanziert – 250.000 Euro aus dem europäischen LEADER-Programm, weitere 238.000 Euro aus einem regionalen Fonds. Der Eigenanteil des Landkreises liegt bei 42.000 Euro. Die laufenden Betriebskosten tragen Landkreis und Kommunen gemeinsam.

Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte, die sich das Fahrzeug in Nordhorn persönlich ansah, zeigte sich beeindruckt: „Hier wird ökologische Verantwortung mit regionaler Praxis verbunden.“ Landrat Uwe Fietzek sieht das Projekt als Leuchtturm für Norddeutschland – und als klares Signal, dass die öffentliche Hand beim Artenschutz vorangehen müsse, wenn sie das auch von der Landwirtschaft erwartet.

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