Viele Menschen scheuen es, andere um Rat zu fragen – aus Angst, zur Last zu fallen. Eine neue Studie der Universität zu Köln zeigt: Wer weiß, dass auch die befragte Person vom Gespräch profitiert, bittet deutlich häufiger um Unterstützung. Die Kontaktaufnahme stieg in den Experimenten um fast 40 Prozent.
Die Studie wurde von Professorin Dr. Anne Burmeister vom Exzellenzcluster ECONtribute und Professor Daniel Levin von der Rutgers University (USA) geleitet und im „Academy of Management Journal“ veröffentlicht.
Die Illusion der Einseitigkeit
Hinter der Scheu steckt laut Forschung häufig eine „Illusion der Unausgewogenheit“: Ratsuchende glauben, ein Gespräch bringe nur ihnen selbst etwas. Tatsächlich fühlt sich die befragte Person wertgeschätzt und gewinnt selbst neue Erkenntnisse. Wer explizit auf diesen gegenseitigen Nutzen hingewiesen wurde, holte sich in den Experimenten messbar häufiger Rat – bei gleichbleibend hoher Qualität der erhaltenen Antworten.
Besonders wirksam bei fremden oder statushöheren Personen
Für die Studie führte das Forschungsteam zwei Feldexperimente mit Arbeitssuchenden sowie vier Online-Experimente mit Berufstätigen verschiedener Branchen durch. Der Effekt war besonders ausgeprägt, wenn sich Ratsuchende an unbekannte Personen oder solche mit höherem Status wandten – genau die Situationen, in denen Menschen normalerweise am stärksten zögern. Die Intervention erfordert dabei nicht mehr als eine Stunde.
Burmeister empfiehlt, diesen Ansatz in Karriereberatungen und betriebliche Schulungen zu integrieren – etwa bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender oder um den Wissensaustausch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg zu fördern.

