Lingen ehrt Julius Moses: Sauerbruchstraße trägt neuen Namen
Nachfahren aus mehreren Ländern reisten zur feierlichen Umbenennung an, die einem jüdischen Arzt und Sozialreformer gilt, der 1942 in Theresienstadt starb.
In Lingen ist die ehemalige Sauerbruchstraße am Wochenende feierlich in Julius-Moses-Straße umbenannt worden. Zur Enthüllung des neuen Straßenschildes kamen zahlreiche Gäste zusammen, darunter Vertreterinnen und Vertreter des Stadtrats, des Forums Juden-Christen, des Förderkreises Damaschke sowie Anwohnerinnen und Anwohner. Besonders bewegend: Nachfahren von Julius Moses waren eigens aus Australien, den USA, England, Irland und Italien angereist.


Ein sorgfältiger Prozess mit historischer Aufarbeitung
Oberbürgermeister Dieter Krone bezeichnete die Umbenennung als Ergebnis eines intensiven Verfahrens aus historischer Forschung, politischen Beratungen und öffentlicher Diskussion. Straßennamen seien weit mehr als Orientierungshilfen, sie spiegelten die Werte einer Stadtgemeinschaft wider und gäben diese an kommende Generationen weiter, so Krone.
Julius Moses wurde 1868 geboren und wirkte als Arzt, Sozialreformer und Parlamentarier. Sein Leben lang setzte er sich für soziale Gerechtigkeit, eine bessere Gesundheitsversorgung und die Würde jedes Menschen ein. Als Jude, Sozialdemokrat und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er noch im selben Jahr starb.
Würdigung aus mehreren Perspektiven
Irene Vehring, Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Lingen, dankte insbesondere Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus für die wissenschaftliche Aufarbeitung sowie Dr. Heribert Lange, der den Namensvorschlag eingebracht hatte. Stefan Heskamp vom Förderkreis Damaschke betonte die Bedeutung des Erinnerungsortes für die Nachbarschaft, während Simon Göhler vom Forum Juden-Christen die kontrovers geführte Debatte als notwendigen Teil der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte einordnete.
Für die Familie sprach Enkel Paul Nemitz. Er zeigte sich bewegt von der Entscheidung der Stadt und mahnte, dass Demokratie und Menschenwürde in jeder Generation neu verteidigt werden müssten, im Einsatz gegen Antisemitismus ebenso wie gegen Islamfeindlichkeit und jede Form von Ausgrenzung.


Übergangsjahr mit zwei Namen
Für ein Jahr wird das neue Straßenschild sowohl den alten als auch den neuen Namen tragen, damit sich Anwohnerinnen und Anwohner sowie Postdienste auf die Umstellung einstellen können.

