Emsdetten. Bürgermeister Oliver Kellner führt bereits den 14. Instagram-Livestream durch und hat damit einen festen Kanal für den direkten Dialog mit den Emsdettener Bürgerinnen und Bürgern etabliert. Im Interview mit RegionalUpdate.de spricht er über digitale Kommunikation, die drängendsten Themen der Stadt und seine Vision für Emsdetten.
Herr Kellner, Sie führen bereits den 14. Instagram-Livestream durch. Was hat Sie damals bewogen, dieses Format zu starten, und was hat Sie seitdem überrascht?
Für mich war von Beginn entscheidend, neue Wege in der Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern zu gehen. Kommunikation muss dort stattfinden, wo die Menschen heute unterwegs sind. Viele informieren sich längst digital und nicht mehr ausschließlich über klassische Medien oder Veranstaltungen vor Ort. Mit dem Instagram-Livestream wollte ich einen unkomplizierten und direkten Austausch ermöglichen. Mir war wichtig, nicht nur Informationen zu senden, sondern wirklich ins Gespräch zu kommen. Besonders überrascht hat mich, wie offen und konstruktiv die Bürgerinnen und Bürger dieses Angebot nutzen. Die Themen reichen von ganz konkreten Alltagsfragen bis hin zu großen Zukunftsthemen für unsere Stadt. Nach inzwischen 13 Livestreams zeigt sich: Dieses Format ist angekommen und hat einen festen Platz im Dialog zwischen Rathaus und Bürgerschaft gefunden.
Welche Themen beschäftigen die Emsdettener Bürgerinnen und Bürger derzeit am meisten?
Viele Fragen drehen sich um Themen, die die Menschen ganz unmittelbar in ihrem Alltag betreffen: Verkehr, Baustellen, Infrastruktur oder die Entwicklung einzelner Stadtbereiche. Gleichzeitig merken wir, dass Fragen zur Lebensqualität immer wichtiger werden. Familienangebote, Kinderbetreuung, Freizeitmöglichkeiten sowie Umwelt- und Klimaschutz spielen eine große Rolle. Was ich besonders schätze: Die Menschen melden sich sehr konkret mit Hinweisen, Ideen oder auch Kritik. Das gibt uns ein ehrliches Bild davon, was Emsdetten derzeit bewegt.
Was sind aktuell die drei größten Projekte oder Herausforderungen, die Emsdetten in den nächsten zwei Jahren prägen werden?
In den kommenden zwei Jahren stehen mehrere wichtige Themen im Fokus. Ein zentrales Thema ist die Weiterentwicklung unserer Stadt und Infrastruktur, dazu gehören Bauprojekte, die Verkehrsentwicklung und die Frage, wie wir Wachstum sinnvoll und bürgernah gestalten. Ein zweiter Schwerpunkt ist Bildung und Betreuung. Wir müssen weiterhin ausreichend Kita- und Schulplätze schaffen und gleichzeitig für gute und verlässliche Angebote sorgen. Drittens wird uns das Thema Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung weiterhin intensiv begleiten. Dazu zählen Maßnahmen zur Energieeffizienz, Anpassungen an den Klimawandel und die Gestaltung einer lebenswerten Umwelt für kommende Generationen.
Digitaler Bürgerdialog auf Instagram. Wie erreichen Sie damit Menschen, die Sie mit klassischer Kommunikation nicht mehr erreichen würden?
Der große Vorteil ist, dass wir Menschen dort erreichen, wo sie ohnehin unterwegs sind. Gerade jüngere Menschen oder Bürgerinnen und Bürger mit wenig Zeit nehmen klassische Informationsangebote nicht immer wahr. Über Instagram schaffen wir einen sehr direkten und niedrigschwelligen Zugang: Fragen können ohne große Hürden spontan gestellt werden. Der Austausch ist direkter, persönlicher und weniger formell. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich dadurch auch Menschen beteiligen, die sonst eher zurückhaltend wären. Wichtig ist mir aber: Digitale Angebote ergänzen die klassischen Wege, sie ersetzen sie nicht.
Wo sehen Sie Emsdetten in zehn Jahren?
Ich wünsche mir, dass Emsdetten auch in zehn Jahren eine Stadt ist, in der Menschen gerne leben, arbeiten und ihre Familien gründen. Eine Stadt, die ihre Stärken bewahrt, gleichzeitig aber offen für neue Ideen bleibt. Eine Stadt mit hoher Lebensqualität, starken Vereinen, kurzen Wegen und einem guten Miteinander. Mein Ziel ist, dass wir Zukunftsthemen wie Klimaschutz, Mobilität und Digitalisierung aktiv gestalten, ohne dabei das aus den Augen zu verlieren, was Emsdetten ausmacht: die Nähe zu den Menschen.
Was würden Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern wünschen?
Ich wünsche mir vor allem, dass die Menschen sich weiterhin aktiv einbringen, mit Ideen, Fragen, Anregungen und auch mit konstruktiver Kritik. Unterschiedliche Perspektiven helfen uns, bessere Entscheidungen zu treffen und Entwicklungen nachvollziehbar zu gestalten. Und natürlich freue ich mich auch über Lob. Denn das zeigt, was gut funktioniert und wo wir gemeinsam auf dem richtigen Weg sind. Am Ende lebt Kommunalpolitik vom Dialog. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto stärker wird unsere Stadt.


