„Wer bei großen Investoren mitspielen will, kommt an verlässlichen Gebäudedaten nicht vorbei“

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Digitale Realität

Interview mit Dennis Wöhl, Prokurist und BIM Manager bei metrik3D GmbH

3D-Laserscanning, digitale Zwillinge, Scan-to-BIM: Begriffe, die in der Baubranche immer häufiger fallen, aber oft noch vage bleiben. Dennis Wöhl, Prokurist und BIM Manager der metrik3D GmbH aus Wietmarschen, kennt beide Seiten: das Handwerk und die digitale Transformation. Im Interview spricht er über ein Mammutprojekt mit 300.000 Quadratmetern Bürofläche, darüber, warum der Begriff „Digitaler Zwilling“ so viele Missverständnisse erzeugt, und was die Baubranche grundlegend ändern muss.

Vom Unternehmerfrühstück zum BIM Manager: ein ungewöhnlicher Einstieg

Dennis, du bist seit über neun Jahren bei metrik3D. Was hat dich damals in die Welt des 3D-Laserscannings gezogen?

Der Weg war eigentlich ein Zufall, der sich im Nachhinein als genau richtig erwiesen hat. Ich war damals noch selbstständig in der Finanzdienstleistungsbranche und hatte Jochen Egbers, unseren Geschäftsführer, bei einem Unternehmerfrühstück kennengelernt. Ein paar Tage später stand er bei mir im Büro und zeigte mir, wie er mit seiner Messtechnik arbeitet. Er suchte jemanden, der technischen Hintergrund mitbringt, Bürokenntnisse hat und noch Kapazitäten frei hatte, um ihn zu unterstützen. Meine Tischlerausbildung und die Jahre auf dem Bau passten dazu. Mein Kalender war nicht voll, ich sagte zu, und so begann ich zunächst als 450-Euro-Jobber bei metrik3D. Aus der Nebenbeschäftigung ist über die Jahre eine Vollzeit-Führungsrolle geworden.

Digitaler Zwilling: ein Begriff, drei verschiedene Erwartungen

„Digitaler Zwilling“ klingt für viele noch nach Zukunftsmusik. Wie erklärst du Kunden in der Praxis, was das für sie konkret bedeutet?

Ehrlich gesagt ist „Digitaler Zwilling“ ein Modewort, das für sehr unterschiedliche Dinge steht, je nachdem, wen man fragt. Für den einen ist es ein 360-Grad-Viewer, ähnlich wie Google Street View, aber vom eigenen Gebäude. Für den nächsten ist es ein CAD-Modell. Für den übernächsten ein vollständiges BIM-Modell. Alle drei haben andere Anforderungen und andere Anwendungsfälle. Unsere Aufgabe ist es, erst einmal zu verstehen, was der Kunde wirklich braucht, und dann die Sprache zu wählen, die zu seinem Ziel passt. Das Kind muss einen Namen haben, der zur Realität passt.

300.000 Quadratmeter, 18 Standorte: das bisher größte Projekt

Über 1.200 Projekte seit 2011, Kunden wie VW, DB, Bitburger und Coppenrath. Was war bisher das technisch oder logistisch anspruchsvollste?

Das war ein Projekt im dritten Quartal 2025: knapp 300.000 Quadratmeter Bürofläche an 18 verschiedenen Standorten, die wir innerhalb eines engen Zeitrahmens gescannt und zu neuen 2D-Plänen verarbeitet haben. Organisatorisch war das eine echte Mammutaufgabe. Wir haben sie mit intensiver Vorplanung und einer bewusst umweltfreundlichen Tourenplanung gelöst. Wenn man solche Volumina koordiniert, zahlt sich jede Stunde Vorbereitung doppelt aus.

EU-Taxonomie und BIM: Warum Zögern teuer wird

BIM, Scan-to-BIM, EU-Taxonomie: Wo siehst du die größten Chancen für Unternehmen im Bestand, die jetzt noch zögern?

Das Stichwort ist Berichtspflicht. Wer bei großen Investoren und Auftraggebern weiterhin mitbieten möchte, hat aus unternehmerischer Sicht keine andere Wahl, als seinen Gebäudebestand zu bewerten und zu dokumentieren. Dazu kommt ein oft unterschätztes Problem: Unzählige Gebäude wurden geplant, gebaut und danach nie kontrolliert, ob die Realität mit dem Plan übereinstimmt. In nicht seltenen Fällen stimmen die ausgewiesenen Flächen schlicht nicht. Das verfälscht die Bilanz. Wer heute mit belastbaren Bestandsdaten arbeitet, hat einen konkreten Vorteil, sowohl für die ESG-Berichterstattung als auch für die langfristige Werterhaltung seiner Immobilien.

Führung auf Augenhöhe: was das Handwerk lehrt

Du kommst aus dem Handwerk, hast lange auf dem Bau gearbeitet. Wie prägt das deinen Blick auf Projekte heute?

Sehr stark. Im Handwerk habe ich gelernt, dass ein Team nur so gut funktioniert, wie die Menschen miteinander umgehen. Ich habe Hierarchien erlebt, die ich in meiner eigenen Führung bewusst nicht weiterführen will, und eine Art des Umgangs miteinander, die heute keine Grundlage mehr haben sollte. Ich bin für unsere Projekte und unser Personal verantwortlich, ähnlich wie ein erfahrener Polier auf der Baustelle. Wir funktionieren als Team, auf Augenhöhe, nicht als Ansammlung von Einzelkämpfern. Das ist kein Lippenbekenntnis, sondern mein täglicher Anspruch an mich selbst.

Was die Baubranche grundlegend ändern muss

Was muss sich in der Baubranche grundlegend ändern, damit digitale Technologien wirklich flächendeckend ankommen?

Wir müssen weg vom Dogma „Preis schlägt alles“. Bei öffentlichen Ausschreibungen entscheidet heute zu oft nur der günstigste Angebotspreis. Das Ergebnis: Qualität leidet, Subunternehmer werden unter Druck gesetzt, Arbeitsbedingungen auf Baustellen sind mancherorts nicht mehr vertretbar. Handwerk muss sich wieder lohnen und im gesellschaftlichen Ansehen steigen. Parallel braucht die Branche Budget und Zeit für neue Technologien. Wer heute in digitale Bestandserfassung, BIM-Modellierung und smarte Planungstools investiert, spart morgen Kosten, Nachbesserungen und Stillstandzeiten. Das ist keine Vision, das ist Kalkül.

metrik3D GmbH ist spezialisiert auf 3D-Laserscanning, digitale Zwillinge und BIM-Modellierung für Industrie, Architektur und Anlagenbau. Das Unternehmen mit Sitz in Wietmarschen (Niedersachsen) garantiert Projektstart innerhalb von 14 Tagen und hat seit 2011 über 1.200 Projekte realisiert.

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