Mit steigenden Temperaturen und mehr Sonnenschein rücken bei vielen Menschen auch Pigmentflecken wieder in den Fokus. Warum die Verfärbungen im Sommer besonders auffällig werden, welche Rolle Hormone spielen und warum von Hausmitteln wie Zitronensaft dringend abzuraten ist, erklärt Dr. Afschin Fatemi, Facharzt für Dermatologie mit Schwerpunkt Dermatochirurgie und ästhetische Medizin sowie Gründer der S-thetic Gruppe, im Interview.
Warum Pigmentflecken im Sommer zunehmen
Pigmentflecken entstehen durch eine vermehrte Einlagerung von Melanin, dem natürlichen Farbstoff der Haut. UV-Strahlung zählt zu den stärksten Auslösern der Melaninproduktion. Im Sommer ist die UV-Belastung deutlich höher, sodass bereits vorhandene Pigmentflecken oft dunkler und sichtbarer werden, so Dr. Fatemi.
Die Haut erinnere sich gewissermaßen an frühere Sonnenschäden. Bereiche mit gestörter Pigmentbildung reagierten besonders empfindlich auf Sonnenlicht und produzierten erneut verstärkt Melanin, wodurch sich bestehende Flecken intensivieren und neue hinzukommen können.
Hormone als wichtiger Einflussfaktor
Auch Hormone haben laut Dr. Fatemi einen erheblichen Einfluss auf die Aktivität der pigmentbildenden Zellen, der Melanozyten. Insbesondere Östrogene können die Melaninproduktion fördern, weshalb Pigmentstörungen wie das Melasma häufig bei Frauen während der Schwangerschaft oder unter hormoneller Verhütung auftreten.
Auch in den Wechseljahren könnten hormonelle Schwankungen die Haut anfälliger für Pigmentveränderungen machen. Treffen hormonelle Einflüsse zusätzlich auf UV-Strahlung, steigt laut dem Dermatologen das Risiko für hartnäckige Pigmentflecken deutlich an.
Warnung vor Hausmitteln und Social-Media-Tipps
Von Experimenten mit Hausmitteln wie Zitronensaft rät Dr. Fatemi grundsätzlich ab. Fruchtsäuren könnten die Haut reizen, besonders problematisch werde es, wenn die behandelte Haut anschließend der Sonne ausgesetzt wird. Dann könne es zu phototoxischen Reaktionen kommen, die die Pigmentierung sogar verschlimmern.
Auch viele virale Social-Media-Tipps seien nicht wissenschaftlich geprüft und bergen das Risiko von Hautreizungen, Entzündungen oder dauerhaften Pigmentstörungen. Wer Pigmentflecken behandeln möchte, sollte auf dermatologisch geprüfte Wirkstoffe und professionelle Beratung setzen.
Die häufigsten Fehler im Sommer
Der größte Fehler sei ein unzureichender Sonnenschutz, so Dr. Fatemi. Viele tragen Sonnenschutzmittel zu sparsam auf oder vergessen das Nachcremen. Ein weiterer häufiger Irrtum sei die Annahme, dass bereits gebräunte Haut ausreichend schützt, dabei könne jede zusätzliche UV-Belastung Pigmentflecken verstärken.
Problematisch seien außerdem aggressive Peelings oder ungeeignete Selbstbehandlungen während der sonnenreichen Monate. Wer zu Pigmentflecken neigt, sollte direkte Mittagssonne meiden, konsequent Sonnenschutz verwenden und die Haut nicht unnötig reizen.
Der richtige Lichtschutzfaktor
Für Menschen mit Pigmentflecken empfiehlt Dr. Fatemi grundsätzlich einen Lichtschutzfaktor 50 oder 50+. Wichtig sei nicht nur der UVB-Schutz, sondern auch ein hoher Schutz vor UVA-Strahlung, da UVA-Strahlen tiefer in die Haut eindringen und bei der Entstehung sowie Verschlechterung von Pigmentflecken eine wichtige Rolle spielen.
Moderne Sonnenschutzprodukte enthalten laut dem Dermatologen häufig zusätzliche Pigmentfilter oder spezielle Inhaltsstoffe, die lichtbedingte Verfärbungen reduzieren können. Entscheidend sei jedoch die regelmäßige und ausreichende Anwendung.
Moderne Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung hänge immer von der Art der Pigmentstörung ab. Häufig kommen medizinische Wirkstoffe wie Azelainsäure, Retinoide oder bestimmte aufhellende Substanzen zum Einsatz. Darüber hinaus können medizinische Peelings, Laserbehandlungen oder moderne Lichttherapien gute Ergebnisse erzielen, insbesondere bei einzelnen Altersflecken.
Bei hormonell bedingtem Melasma sei die Behandlung meist anspruchsvoller und erfordere Geduld sowie eine konsequente Kombination aus Therapie und Sonnenschutz. Vor jeder Behandlung sollte laut Dr. Fatemi eine genaue dermatologische Diagnose stehen.
Wann der Gang zum Hautarzt ratsam ist
Jede neue, auffällige oder sich verändernde Pigmentierung sollte dermatologisch beurteilt werden, so Dr. Fatemi. Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn ein Fleck asymmetrisch ist, unregelmäßige Ränder aufweist, unterschiedliche Farben zeigt, wächst oder Beschwerden wie Juckreiz oder Blutungen verursacht.
Hinter vermeintlich harmlosen Pigmentflecken könne sich in seltenen Fällen auch Hautkrebs verbergen. Eine frühzeitige Untersuchung schaffe Klarheit und ermögliche gegebenenfalls eine rechtzeitige Behandlung. Im Zweifel empfiehlt der Dermatologe immer den Besuch beim Hautarzt, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

