Eine Personalerin aus Fürstenau bringt es in einem Gespräch auf einen einfachen Nenner. Sie merkt sich die Namen neuer Kolleginnen und Kollegen inzwischen erst nach einem halben Jahr. Der Grund ist ernüchternd. Die Fluktuation in ihrem Unternehmen ist so hoch, dass sich viele Neueinstellungen schlicht nicht mehr lohnen, bevor man sich überhaupt richtig kennengelernt hat. Was wie eine private Anekdote klingt, beschreibt ein Muster, das aktuell viele Betriebe im Landkreis Osnabrück betrifft, und das laut Experten selten an den neuen Mitarbeitenden selbst liegt.
Eine Aussage, die vieles erklärt
Die Personalerin aus Fürstenau spricht offen über den Alltag in ihrem Betrieb. Neue Gesichter kommen und gehen so schnell, dass sich ein Investment in Namen und persönliche Beziehung erst nach Monaten auszahlt. Sie beschreibt damit ein Verhalten, das sich in vielen mittelständischen Unternehmen der Region beobachten lässt. Wenn Fluktuation zur Normalität wird, verändert sich unbemerkt auch der Umgang miteinander im Team.
Ein bundesweites Muster mit regionalem Gesicht
Auf ganz ähnliche Beobachtungen weist aktuell auch der österreichische Unternehmensberater Markus Kaar hin, der Mittelständler im gesamten DACH-Raum bei Führungsfragen begleitet. In einem vielbeachteten LinkedIn-Beitrag beschreibt er den Fall eines Facharbeiters, der nach wenigen Wochen wieder kündigt, weil ihm niemand im Unternehmen das Gefühl gegeben hat, dass sein Kommen oder Gehen einen Unterschied macht. Kaar bringt es auf den Punkt: Nicht die Arbeit selbst treibt gute Leute aus dem Betrieb, sondern das Gefühl, in den ersten Wochen niemandem wirklich aufzufallen.
Die Parallele zur Aussage aus Fürstenau ist auffällig. Was dort als pragmatische Anpassung an hohe Fluktuation beschrieben wird, ist nach Kaars Einschätzung oft bereits Symptom eines tieferliegenden Führungsproblems, nicht dessen Ursache.
Warum sich Nachlässigkeit beim Onboarding doppelt rächt
Wird eine neue Fachkraft in den ersten Wochen allein gelassen, entsteht ein doppelter Schaden. Zum einen verlässt die Person das Unternehmen oft wieder, bevor sich die Einarbeitung überhaupt amortisiert hat. Zum anderen etabliert sich im Team eine stille Erwartungshaltung, dass Neuzugänge ohnehin meist wieder gehen. Diese Erwartungshaltung wird dann, wie im Fall der Personalerin aus Fürstenau, zur gelebten Praxis, sich emotional und organisatorisch erst spät auf neue Kolleginnen und Kollegen einzulassen.
Für Betriebe im Landkreis Osnabrück ist das ein teures Muster, gerade in Branchen mit ohnehin angespanntem Fachkräftemarkt. Jede Nachbesetzung kostet Zeit für Ausschreibung, Auswahlgespräche und Einarbeitung, unabhängig davon, ob die neue Fachkraft am Ende bleibt oder nicht.
Was Unternehmen aus der Region konkret ändern können
Sowohl die Praxiserfahrung aus Fürstenau als auch die Beobachtungen von Markus Kaar legen nahe, dass die ersten Wochen im neuen Job entscheidend sind. Wer als Führungskraft von Anfang an sichtbar Verantwortung für die Einarbeitung übernimmt, statt sie informell im Team zu verteilen, verändert dieses Muster spürbar. Das kostet zunächst Zeit, verhindert aber genau die Kündigungen, die scheinbar aus dem Nichts kommen, tatsächlich aber lange vorher angekündigt waren, nur eben stillschweigend.

