Viele ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen können irgendwann nicht mehr selbst aufs Fahrrad steigen, und mit dem Rad verschwindet für sie oft auch ein Stück Freiheit: der spontane Ausflug ins Grüne, die Fahrt durch die alte Heimatstraße, einfach der Wind im Gesicht. Genau hier setzt „Radeln ohne Alter Rheine“ an. Seit gut einem Jahr baut die Initiative unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann in Rheine ein Angebot auf, das Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderung kostenlose Rikscha-Ausfahrten ermöglicht, mit rund 40 Ehrenamtlichen im Rücken und seit Kurzem der ersten eigenen Rikscha. Heino Knuf, der das Projekt für den Träger Silberstreif, Soziales Forum Rheine e. V., verantwortet, erzählt im Interview, wie es dazu kam, was sich seither getan hat und wo noch Unterstützung gebraucht wird.
Das Projekt: Radeln ohne Alter Rheine
„Radeln ohne Alter Rheine“ ist Teil der internationalen Initiative „Radeln ohne Alter“ (Cycling Without Age), die ursprünglich aus Dänemark stammt und mittlerweile an vielen Orten aktiv ist. In Rheine wird das Angebot von Silberstreif, Soziales Forum Rheine e. V., getragen und steht unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann. Ehrenamtliche Pilotinnen und Piloten fahren ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen kostenlos mit der Rikscha durch die Stadt, in Parks oder zu deren persönlichen Lieblingsorten. Rund 40 Freiwillige sind bereits dabei, etwa 20 davon geschult, und mit der ersten eigenen Rikscha läuft inzwischen der reguläre Fahrbetrieb.
Das Interview
Wie kam es zur Gründung von „Radeln ohne Alter Rheine“?
Heino Knuf: „Der Ausgangspunkt war die Bereitschaft des Rheiner Bürgermeisters Dr. Peter Lüttmann, die Schirmherrschaft für ‚Radeln ohne Alter Rheine‘ zu übernehmen. Das war für uns ein wichtiges Signal und hat den Anstoß gegeben, die Initiative nach Rheine zu bringen. Anschließend haben wir einige Zeit gebraucht, um einen geeigneten lokalen Träger zu finden. Mit Silberstreif, Soziales Forum Rheine e. V., haben wir schließlich einen engagierten Verein gefunden, der sich dieser Aufgabe angenommen hat. Viele Menschen können aufgrund ihres Alters oder einer körperlichen Einschränkung nicht mehr selbst Fahrrad fahren. Mit unseren Rikschafahrten schenken wir ihnen wieder das ‚Recht auf Wind in den Haaren‘, so lautet der weltweite Leitsatz von Radeln ohne Alter.“
Was hat sich seit dem Projektstart bereits getan?
Heino Knuf: „Seit dem Projektstart vor gut einem Jahr ist sehr viel entstanden. Zunächst stand der Aufbau einer tragfähigen Organisationsstruktur im Mittelpunkt. Inzwischen konnten wir rund 40 ehrenamtliche Pilotinnen und Piloten gewinnen, von denen bereits etwa 20 geschult sind. Ein besonderer Meilenstein war die Anschaffung unserer ersten eigenen Rikscha. Damit konnten wir den regulären Fahrbetrieb aufnehmen und den Menschen in Rheine bereits die ersten kostenlosen Ausfahrten ermöglichen. Die Resonanz der Fahrgäste ist überwältigend, viele kehren mit leuchtenden Augen zurück und erzählen von Erinnerungen, die während der Fahrt wieder lebendig geworden sind.“
Wie funktioniert das Angebot konkret?
Heino Knuf: „Mitfahren können ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Personen, die aufgrund ihrer Mobilität nur noch selten selbst Ausflüge unternehmen können. Die Fahrten sind grundsätzlich kostenlos. Ein besonderes Merkmal unseres Angebots ist, dass wir unsere Fahrgäste auf Wunsch direkt von zu Hause oder aus ihrer Einrichtung abholen und nach der Fahrt auch wieder zurückbringen. Die Ausfahrten führen beispielsweise durch die Natur, in Parks, in die Innenstadt oder zu den persönlichen Lieblingsorten der Fahrgäste. Interessierte Einzelpersonen, Angehörige oder Pflegeeinrichtungen können sich jederzeit direkt bei uns melden, gemeinsam vereinbaren wir dann einen passenden Termin.“
Was braucht man, um als Pilotin oder Pilot mitzumachen?
Heino Knuf: „Vor allem Freude am Umgang mit Menschen, etwas Zeit und die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Besondere sportliche Voraussetzungen sind nicht erforderlich. Alle Interessierten absolvieren zunächst ein unverbindliches Schnuppertraining und anschließend eine fundierte Schulung. Dabei lernen sie den sicheren Umgang mit der Rikscha sowie den respektvollen Umgang mit den Fahrgästen kennen. Erst danach übernehmen sie eigenständig Fahrten.“
Wie viele Rikschas braucht Rheine noch?
Heino Knuf: „Mit der ersten eigenen Rikscha haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht. Zusätzlich stehen uns derzeit weitere Projekt-Rikschas zur Verfügung, sodass wir bereits mehrere Fahrten parallel anbieten können. Langfristig möchten wir mindestens fünf eigene Rikschas in Rheine einsetzen, für ein flächendeckendes Angebot. Dafür benötigen wir weitere Fördermittel, Sponsoren und Spender. Ebenso wichtig sind ausreichend Ehrenamtliche, denn jede zusätzliche Rikscha braucht engagierte Pilotinnen und Piloten.“

Wie können sich Unternehmen einbringen?
Heino Knuf: „Unternehmen können sich auf vielfältige Weise beteiligen. Im Rahmen von Social Days können Mitarbeitende selbst als Co-Pilotinnen und Co-Piloten mitfahren, unsere Ehrenamtlichen unterstützen oder das Projekt kennenlernen. Gleichzeitig entstehen Begegnungen zwischen Generationen, die oft lange in Erinnerung bleiben. Darüber hinaus freuen wir uns über Unternehmen, die das Projekt finanziell oder durch Sachleistungen unterstützen.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von „Radeln ohne Alter Rheine“?
Heino Knuf: „Wir wünschen uns, dass möglichst viele Menschen in Rheine die Möglichkeit erhalten, wieder den Wind in den Haaren zu spüren, unabhängig von Alter oder körperlichen Einschränkungen. Gleichzeitig hoffen wir auf viele weitere Ehrenamtliche, Unterstützer und Sponsoren, damit wir das Angebot dauerhaft etablieren und weiter ausbauen können. Unser Ziel ist es, dass ‚Radeln ohne Alter‘ zu einem selbstverständlichen Bestandteil des sozialen Lebens in Rheine wird.“

So können Sie mitmachen
- Mitfahren: Ältere Menschen, Menschen mit Behinderung oder Angehörige und Pflegeeinrichtungen können sich direkt bei „Radeln ohne Alter Rheine“ melden und einen Termin für eine kostenlose Ausfahrt vereinbaren.
- Ehrenamtlich mitfahren: Wer Freude am Umgang mit Menschen hat und etwas Zeit mitbringt, kann als Pilotin oder Pilot einsteigen, nach einem unverbindlichen Schnuppertraining und einer fundierten Schulung.
- Als Unternehmen mitmachen: Über Social Days können Mitarbeitende selbst als Co-Pilotinnen und Co-Piloten mitfahren, oder Unternehmen unterstützen das Projekt finanziell oder mit Sachleistungen.
- Kontakt: Heino Knuf, Telefon 05481 98616, E-Mail [email protected], weitere Informationen unter www.radelnohnealter.de.
Über Radeln ohne Alter Rheine
„Radeln ohne Alter Rheine“ steht unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann und wird von Silberstreif, Soziales Forum Rheine e. V., getragen. Die Initiative ist Teil der internationalen Bewegung „Radeln ohne Alter“, die älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen mit kostenlosen Rikscha-Ausfahrten wieder mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen will. In Rheine engagieren sich dafür bereits rund 40 Ehrenamtliche, mit der ersten eigenen Rikscha ist der reguläre Fahrbetrieb angelaufen.

