Der Ausbildungsmarkt in der IHK-Region Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim zeigt erste Anzeichen einer Entspannung. Dennoch bleibt die Lage für viele Unternehmen schwierig. Zwar konnten im vergangenen Jahr etwas mehr Ausbildungsplätze besetzt werden als in den Vorjahren, doch noch immer meldeten 43 Prozent der Ausbildungsbetriebe unbesetzte Stellen. Die aktuelle Ausbildungsumfrage der IHK macht deutlich, dass der Fachkräftenachwuchs weiterhin eine der größten Herausforderungen für die regionale Wirtschaft bleibt.
Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze geht leicht zurück
An der IHK-Ausbildungsumfrage 2026 beteiligten sich 176 Ausbildungsbetriebe aus der Region. Das Ergebnis zeigt eine leichte Verbesserung gegenüber den vergangenen Jahren. Während 2023 noch 54 Prozent der Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen konnten, sank dieser Wert 2024 auf 47 Prozent und liegt aktuell bei 43 Prozent.
Trotz dieser Entwicklung ist die Situation aus Sicht der Betriebe weiterhin angespannt. Fast jeder zweite Ausbildungsbetrieb findet nicht ausreichend geeignete Nachwuchskräfte. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräftebedarfs stellt dies viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.
Fehlende und ungeeignete Bewerbungen bleiben das Hauptproblem
Die Umfrage zeigt deutlich, woran die Besetzung von Ausbildungsplätzen am häufigsten scheitert. Der größte Engpass ist nicht das Angebot an Ausbildungsstellen, sondern die Zahl und Qualität der Bewerbungen.
Rund 80 Prozent der Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsplätzen gaben an, keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben. Gleichzeitig berichteten 38 Prozent, dass sich überhaupt keine Bewerber auf ihre Ausbildungsplätze gemeldet hätten.
Weitere Gründe spielen zwar ebenfalls eine Rolle, fallen jedoch deutlich geringer ins Gewicht. Bei 17 Prozent der Unternehmen wurde das Ausbildungsverhältnis innerhalb der Probezeit durch den Betrieb beendet. In 13 Prozent der Fälle lösten die Auszubildenden selbst das Ausbildungsverhältnis während der Probezeit auf. Fünf Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze wurden trotz Zusage nicht angetreten. Lediglich acht Prozent der Betriebe sehen hohe bürokratische Hürden bei Bewerbern aus Drittstaaten als Ursache für unbesetzte Ausbildungsplätze. Weitere sechs Prozent nannten sonstige Gründe.
Region liegt leicht unter dem niedersächsischen Durchschnitt
Auch der Blick auf Niedersachsen zeigt, dass die Situation kein regionales Einzelphänomen ist. Landesweit nahmen rund 1.600 Ausbildungsbetriebe an der Umfrage teil. Dort konnten 47 Prozent ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen.
Die Hauptursachen unterscheiden sich kaum von den Ergebnissen aus der Region Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim. Auch hier nannten die Betriebe fehlende Bewerbungen sowie ungeeignete Bewerbungen als größte Probleme.
Die Zahlen verdeutlichen, dass viele Unternehmen längst bereit sind auszubilden, geeignete Bewerber jedoch häufig fehlen.
IHK fordert bessere Rahmenbedingungen
Aus Sicht der IHK reichen Bemühungen der Unternehmen allein nicht aus, um die Situation nachhaltig zu verbessern.
„Die Ergebnisse unterstreichen die anhaltende Nachfrage nach dualer Ausbildung, jedoch müssen die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden“, erklärt Juliane Hünefeld-Linkermann, Geschäftsbereichsleiterin Aus- und Weiterbildung der IHK Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim.
Sie fordert unter anderem moderne und zeitgemäß ausgestattete Berufsschulen sowie einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr. Insbesondere das landesweite Azubi-Ticket könne seinen Nutzen nur entfalten, wenn Ausbildungsstätten und Betriebe zuverlässig erreichbar seien.
Gerade im ländlich geprägten Emsland und der Grafschaft Bentheim spielt die Mobilität junger Menschen eine entscheidende Rolle bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes.
Künstliche Intelligenz gewinnt auch in der Ausbildung an Bedeutung
Neben der Bewerbersituation untersucht die IHK-Ausbildungsumfrage erstmals intensiver den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Ausbildung.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, nämlich 55 Prozent, erwartet von ihren Auszubildenden einen selbstständigen Umgang mit KI-Anwendungen. Weitere 24 Prozent setzen darauf, dass Lehrkräfte entsprechende Inhalte vermitteln.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage jedoch Nachholbedarf. 28 Prozent der Betriebe bereiten ihre Auszubildenden bislang nicht gezielt auf den Einsatz von KI vor. Nur 20 Prozent nutzen Lernsoftware oder spezielle Kurse, um entsprechende Kompetenzen aufzubauen.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Künstliche Intelligenz zunehmend Bestandteil des Ausbildungsalltags wird. Gleichzeitig stehen viele Betriebe noch am Anfang, wenn es darum geht, den Einsatz neuer Technologien systematisch in die Ausbildung zu integrieren.
Auszubildende aus dem Ausland können Fachkräftemangel abfedern
Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage betrifft die Ausbildung junger Menschen aus Drittstaaten.
In der IHK-Region beschäftigen derzeit 23 Prozent der Ausbildungsbetriebe Auszubildende aus Nicht-EU-Staaten. Im niedersächsischen Durchschnitt liegt dieser Wert bei 28 Prozent.
Die Betriebe sehen dabei vor allem zwei Herausforderungen. Zum einen erschweren fehlende oder unzureichende Deutschkenntnisse den Einstieg in die Ausbildung. Zum anderen werden bürokratische Verfahren häufig als zu langwierig und kompliziert empfunden.
Juliane Hünefeld-Linkermann fordert deshalb schnellere und transparentere Verfahren bei der Fachkräftezuwanderung. Gleichzeitig seien gezielte Sprachförderung und eine bessere Unterstützung bei der Integration notwendig, damit internationale Auszubildende langfristig in den Unternehmen bleiben können.
Ausbildung bleibt eine Investition in die Zukunft
Die Ergebnisse der IHK-Ausbildungsumfrage zeigen, dass die Bereitschaft der Unternehmen, Ausbildungsplätze anzubieten, weiterhin hoch ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Betriebe trotz intensiver Bemühungen ihre offenen Stellen nicht besetzen können.
Während sich die Lage gegenüber den Vorjahren leicht verbessert hat, bleibt die Gewinnung geeigneter Nachwuchskräfte eine zentrale Aufgabe für Wirtschaft, Politik und Bildungseinrichtungen. Neben einer besseren Berufsorientierung spielen moderne Ausbildungsbedingungen, eine stärkere Förderung digitaler Kompetenzen sowie der Abbau bürokratischer Hürden eine wichtige Rolle.
Die duale Ausbildung bleibt damit ein entscheidender Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Region. Damit sie auch künftig erfolgreich funktioniert, müssen Unternehmen und Politik gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, damit mehr junge Menschen den Weg in eine betriebliche Ausbildung finden.

