Toni Münzebrock (56) aus Löningen hat eine Niere seiner Ehefrau Doris (54) erhalten, obwohl die beiden unterschiedliche Blutgruppen haben. Operiert wurde 2023 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Alles davor und danach, von der Vorbereitung bis zur lebenslangen Nachsorge für beide, läuft am St.-Josefs-Hospital in Cloppenburg.
Warum das wohnortnah möglich ist
Prof. Dr. Johan Lorenzen ist am St.-Josefs-Hospital Chefarzt für Innere Medizin und Geriatrie und zugleich Nephrologe mit eigener KV-Ermächtigung für die ambulante Nierenmedizin. Dazu kommt eine Zusatzweiterbildung in Transplantationsmedizin. In seinen Ambulanzen laufen Diagnostik, die Vorbereitung von Lebendspenden und die Nachsorge nach Transplantationen zusammen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das, dass sie für Vor- und Nachsorge nicht dauerhaft an eine Universitätsklinik gebunden sind.
Vor dem Eingriff wurden in Cloppenburg die Transplantationsfähigkeit abgeklärt, der Gesundheitszustand optimiert und immunologische Voruntersuchungen durchgeführt. Bei der Spenderin musste zusätzlich geprüft werden, ob die Spende medizinisch vertretbar ist, unter anderem anhand von Nierenfunktion, Blutdruck und allgemeinem Gesundheitszustand. „Der Schutz der Spenderin hat absoluten Vorrang“, sagt Lorenzen.
Zwei Jahre lang Medikamente statt Operation
Vor der Transplantation versuchten die Ärzte, das Fortschreiten der Zystennieren medikamentös zu bremsen. Von Februar 2020 bis Juli 2022 lief in Cloppenburg eine Therapie mit dem Wirkstoff Tolvaptan. Beendet wurde sie, als die Nieren endgültig versagten und nur noch Dialyse oder Transplantation blieben.
Nachsorge für beide, nicht nur für den Empfänger
Der Empfänger wird mindestens alle drei Monate untersucht, bei Bedarf häufiger. Dabei geht es um die Funktion des Transplantats, die Steuerung der Immunsuppression mit regelmäßigen Spiegelkontrollen, die Behandlung seines Morbus Crohn und die Vorsorge gegen typische Langzeitkomplikationen. Die Spenderin wird einmal im Jahr kontrolliert, damit ihre Nierenfunktion langfristig im Blick bleibt. Derzeit betreut Lorenzen in Cloppenburg rund 50 nierentransplantierte Menschen.
Die Krankheit dahinter
Toni Münzebrock hat eine Autosomal-Dominante Polyzystische Nierenerkrankung, nach Angaben des Krankenhauses die häufigste erbliche Nierenerkrankung weltweit. Etwa einer von 1.000 Menschen ist betroffen, in Deutschland sind es demnach rund 60.000 bis 80.000.
Dabei bilden sich über Jahre hunderte flüssigkeitsgefüllte Zysten in beiden Nieren, die auf ein Vielfaches ihrer normalen Größe anwachsen können. Das gesunde Gewebe wird nach und nach verdrängt. Der Verlauf ist langsam und bleibt lange unbemerkt, viele Betroffene spüren erst zwischen 40 und 60 Jahren, dass ihre Nierenfunktion nachlässt. Etwa die Hälfte braucht im Lauf des Lebens eine Dialyse oder eine Transplantation.
Erschwerend kommt bei ihm der Morbus Crohn hinzu. Bei Schüben mit Durchfällen verliert der Körper viel Flüssigkeit, und diese Austrocknung belastet die Nieren zusätzlich. In seinem Fall hat das bereits zu vorübergehenden Verschlechterungen der Transplantatfunktion geführt. Seit 2024 wird der Morbus Crohn mit dem Wirkstoff Vedolizumab behandelt, die Erkrankung befindet sich seither in Remission.

