Person arbeitet mit einem Winkelschleifer an einer Werkbank, Funken sprühen

Ausbildungsreport 2026: Zufriedenheit sinkt, Geldsorgen belasten am stärksten

Anzeige

Die Zufriedenheit von Auszubildenden ist im vergangenen Jahr spürbar gesunken. Im aktuellen Ausbildungsreport der DGB-Jugend bezeichnen sich 65,7 Prozent der Befragten als zufrieden oder sehr zufrieden. Im Vorjahresbericht waren es noch 71,6 Prozent.

Nicht der Betrieb belastet am meisten, sondern das Geld

Schwerpunkt des Reports ist in diesem Jahr die psychische Gesundheit. Gut die Hälfte der Befragten, 50,6 Prozent, berichtet von psychischen Belastungen. Die größte Einzelbelastung ist dabei nicht der Ausbildungsalltag, sondern die eigene finanzielle Lage: 49,9 Prozent nennen sie, 35 Prozent die Wohnsituation. Aus dem Betrieb selbst kommen Leistungs- und Zeitdruck mit gut 21 Prozent, Personalmangel mit 19,6 und Verantwortungsdruck mit 19,2 Prozent.

Passend dazu geben 65,3 Prozent an, von ihrer Vergütung nicht oder nur schlecht selbstständig leben zu können. Knapp ein Drittel ist auf Geld von den Eltern angewiesen, etwa jeder Achte arbeitet nebenher.

Wer erreichbar ist, entlastet

Deutlich wird der Effekt der Betreuung. Sind Ausbilderinnen und Ausbilder immer verfügbar, fühlen sich 8,5 Prozent der Auszubildenden hoch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, sind es 36 Prozent. Vier von zehn der psychisch belasteten Befragten geben an, niemanden zu haben, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können.

Überstunden und offene Übernahme

Mehr als ein Drittel leistet regelmäßig Überstunden. 16,3 Prozent müssen immer oder häufig Aufgaben erledigen, die nicht zur Ausbildung gehören, im Vorjahr waren es 14,7 Prozent. Kurz vor dem Abschluss wissen 37,1 Prozent noch nicht, ob der Betrieb sie übernimmt.

Die Bewertungen gehen je nach Beruf weit auseinander. Am zufriedensten sind Verwaltungsfachangestellte mit 81,8 Prozent, am unteren Ende stehen Hotelfachleute mit 53,6 Prozent.

Was DGB und Wirtschaft daraus ableiten

Die DGB-Jugend fordert unter anderem verpflichtende Fortbildungen zu mentaler Gesundheit für Ausbildungspersonal, eine höhere Mindestausbildungsvergütung und eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag begrüßt den Schwerpunkt, sieht die Aufgabe aber nicht allein bei den Betrieben. Bildungsexperte Nico Schönefeldt verweist auf Schulen, Elternhäuser, Beratungsstellen und Politik und betont, psychische Gesundheit sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bei Problemen während der Ausbildung stehen nach seinen Angaben die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der IHKs sowohl Auszubildenden als auch Betrieben zur Verfügung. Das ist für Betroffene die naheliegendste Anlaufstelle, wenn es im Betrieb hakt.

Zur Studie

Für den Ausbildungsreport 2026 wurden nach Angaben der DGB-Jugend über zwölf Monate bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt.

Weiterlesen

Jetzt den kostenlosen Regionalupdate-Newsletter abonnieren.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel