Die deutschen Gasspeicher sind Mitte August zu rund 50 Prozent gefüllt. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren: Ende August 2025 waren es etwa 71 Prozent, im August 2024 rund 95. Schon zum 1. Juli lag der Wert mit 41 Prozent niedriger als zu jedem Sommerbeginn seit 2021.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat sich am Donnerstag zu den Berichten darüber geäußert. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärte, Gashändler und Lieferanten erfüllten ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen, darauf könnten sich Kundinnen und Kunden verlassen.
Warum die Speicher langsamer volllaufen
Der Verband nennt dafür wirtschaftliche Gründe. Gas wird zu knapp 95 Prozent importiert, über die Hälfte davon von außerhalb Europas. Die Eskalation im Konflikt mit dem Iran hat die Preise zuletzt getrieben. Wer Gas teurer einspeichert, als er es über Termingeschäfte später verkaufen kann, macht Verlust. Deshalb wird langsamer befüllt.
Eine gesetzliche Pflicht, die Versorgung über eigene Speichermengen abzusichern, gibt es laut BDEW nicht. Die Unternehmen entscheiden selbst, wie sie ihre Lieferverpflichtungen decken, seit dem Aufbau der LNG-Terminals steht dafür ein weiterer Weg offen.
Was die Bundesnetzagentur sagt
Die Behörde stuft die Lage als stabil ein. Auf dem Weltmarkt sei genug Gas verfügbar, und Deutschland habe seit der Energiekrise mehrere Importwege aufgebaut und sei eng ins europäische Netz eingebunden. Die Nettoimporte lagen in den ersten sieben Monaten des Jahres rund elf Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Der Speicherstand allein sagt also nicht, wie lange Deutschland versorgt ist.
Für den 1. November gelten Füllstandsvorgaben von 80 Prozent für die meisten Speicheranlagen und 45 Prozent für sechs namentlich benannte. Beim derzeitigen Einspeichertempo erwartet der Fachverband DVGW zu diesem Stichtag allerdings nur etwa 60 Prozent.
Was der Verband fordert
Der BDEW hält die Füllstandsvorgaben für Fehlanreize, weil die Erwartung staatlichen Eingreifens die marktliche Befüllung hemme. Stattdessen schlägt er vor, Abgaben und Umlagen auf eingespeichertes Gas zu senken und über Ausschreibungen abzusichern, dass zum Winterende noch Gas in den Speichern liegt. Die von der Bundesregierung geplante nationale Gasreserve begrüßt der Verband, sie soll allerdings erst ab 2027 aufgebaut werden und kommt für diesen Winter zu spät.
Großverbrauchern aus der Industrie, die ihren Winterbedarf nicht abgesichert haben und auf den Spotmarkt setzen, rät Andreae, diese Entscheidung zu überdenken.

