Das niedersächsische Kultusministerium hat den Entwurf einer neuen Verordnung für Oberstufe und Abiturprüfung vorgelegt. Entschieden ist damit noch nichts: Der Entwurf geht jetzt in die Anhörung, Verbände und Interessenvertretungen können Stellung nehmen, bevor die Verordnung veröffentlicht wird.
Wen es wann betrifft
Für Familien ist das die wichtigste Frage, und die Antwort ist zweigeteilt. Die neue Qualifikationsphase soll bereits für die Jugendlichen gelten, die in diesem Schuljahr in Jahrgang 10 gestartet sind. Ihre Abiturprüfung fällt ins Jahr 2030. Die neue Einführungsphase kommt später, weil die Schulen dafür ein zusätzliches Vorbereitungsjahr bekommen. Erst im Schuljahr 2028/2029 startet der erste Jahrgang komplett nach den neuen Regeln in die Oberstufe.
Was sich ändern soll
Die festen Schwerpunkte mit ihren vorgegebenen Fächerkombinationen sollen entfallen. Fünf Prüfungsfächer bleiben, das vierte Prüfungsfach auf grundlegendem Niveau soll künftig mündlich geprüft werden. Facharbeit und Seminarfach sollen wegfallen, das Ministerium begründet das mit der punktuellen Belastung und mit technologischen Entwicklungen. Schulen können stattdessen freiwillig ein Projektfach einrichten.
Neu ist außerdem der „Kombinierte Leistungsnachweis“, mit dem sich in Einführungs- und Qualifikationsphase jeweils zwei Klausuren ersetzen lassen, etwa durch eine konzipierte und ausgewertete Podiumsdiskussion. Ob sie das einführen, entscheiden die Schulen selbst.
Weniger Klausuren
Die Zahl der Klausuren soll sinken. Im vierten Halbjahr der Qualifikationsphase sollen sie weitgehend entfallen, damit mehr Zeit für die Abiturvorbereitung bleibt. In Fächern außerhalb der Prüfungsfächer sollen Klausuren in der Qualifikationsphase ganz wegfallen, ausgenommen Deutsch, Mathematik und die Fremdsprachen. Mündliche Leistungen und Präsentationen bekommen dadurch mehr Gewicht. Die bislang drei getrennten Verordnungen werden zu einer zusammengefasst.
Position des Ministeriums
Kultusministerin Julia Willie Hamburg bezeichnet die Reform als umfangreichste Neugestaltung der Oberstufe in Niedersachsen seit 21 Jahren und betont, mehr Wahlfreiheit bedeute keinen geringeren Anspruch. Das Land liege bei den Unterrichtsstunden weiter über den Vorgaben der Kultusministerkonferenz. Wie die angehörten Verbände den Entwurf bewerten, ist offen.

