Ein Jahr nach der gemeinsamen Erklärung von EU und USA zu Zöllen und Handel zieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine gemischte Bilanz. Der EU-US-Zolldeal wurde am 27. Juli 2025 im schottischen Turnberry politisch vereinbart, die gemeinsame Erklärung mit den Details folgte am 21. August 2025 – heute vor genau einem Jahr.
Was aus DIHK-Sicht funktioniert
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sieht in dem auf 15 Prozent gedeckelten US-Zollsatz für die meisten EU-Exporte immerhin ein gewisses Maß an Planungssicherheit für die deutsche Wirtschaft. Der Deal habe, so Melnikov, „Schlimmeres verhindert, aber kein Vertrauen geschaffen“.
Was aus DIHK-Sicht weiterhin fehlt
Nach Einschätzung des Verbands sind Unternehmen weiterhin mit neuen Zolldrohungen, bürokratischen Hürden und anhaltender Rechtsunsicherheit konfrontiert, was Investitionen und langfristige Geschäftsentscheidungen bremse. Der DIHK wertet die hohen US-Zölle zudem weiterhin als Verstoß gegen geltende Welthandelsregeln und fordert, die WTO-widrigen US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium vollständig abzubauen. Diese liegen deutlich über dem allgemeinen 15-Prozent-Deckel.
Die Forderungen des Verbands
Der DIHK sieht im Zolldeal einen Wendepunkt für die europäische Handelspolitik und plädiert dafür, strategische Abhängigkeiten, insbesondere im Digitalbereich, zu verringern und Handelspartnerschaften breiter aufzustellen. Konkret fordert der Verband die zügige Ratifizierung der Abkommen mit Indien, Indonesien und Australien sowie den weiteren Ausbau von Handelsbeziehungen in Asien.

