THW-Gruppenführer Tim Schmidt: „Eine gute Kommunikation ist oft die Grundlage für einen erfolgreichen Einsatz“

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Wenn bei einer Großschadenslage hunderte Einsatzkräfte im Feld sind, entscheidet sich vieles nicht an der Schadensstelle, sondern in einem Raum voller Funkgeräte und Vordrucke. Tim Schmidt leitet beim THW-Ortsverband Oldenburg-Ni die Fachgruppe Führungsunterstützung. Im Interview erzählt er, wie aus einem Jugendlichen bei der THW-Jugend ein Gruppenführer wurde und warum beim Hochwasser jede Meldung dokumentiert wird.

Vom Jugendlager zurück ins Team

Du bist seit 2016 beim THW aktiv und leitest heute die Fachgruppe Führungsunterstützung. Wie kam es damals dazu, dass du dich ehrenamtlich engagiert hast?

Meine Verbindung zum THW begann eigentlich schon 2009. Über Bekannte bin ich damals auf die THW-Jugend aufmerksam geworden und habe dort meine ersten Erfahrungen gesammelt. Schon damals haben mich die Gemeinschaft, die Technik und das Gefühl begeistert, gemeinsam etwas Sinnvolles für andere Menschen zu tun. Nach einer Pause bin ich 2016 in den aktiven Dienst zurückgekehrt, diesmal bei den Erwachsenen. Ich hatte schnell das Gefühl, wieder genau am richtigen Ort zu sein. Mit jeder Ausbildung, Übung und jedem Einsatz konnte ich mich weiterentwickeln und nach und nach mehr Verantwortung übernehmen. Dass ich heute Gruppenführer der Fachgruppe Führungsunterstützung bin, hätte ich damals nicht erwartet. Umso mehr freue ich mich über das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Das THW hat mich nicht nur fachlich weitergebracht, sondern auch persönlich geprägt.

Was in der Fernmeldezentrale passiert

Als Gruppenführer trägst du Verantwortung für den Fernmeldebetrieb bei Großlagen. Kannst du kurz beschreiben, was das konkret bedeutet, wenn es im Einsatz wirklich ernst wird?

Im Kern sorgen wir dafür, dass Informationen zuverlässig ihren Weg finden. Dafür betreiben wir eine Fernmeldezentrale, die als Kommunikationsschnittstelle zwischen den Einsatzkräften und dem Führungsstab dient. Dort laufen Meldungen aus dem Einsatz zusammen, beispielsweise per Digitalfunk oder über Melder, und werden von uns entgegengenommen, dokumentiert und für den Führungsstab aufbereitet. Gleichzeitig geben wir Informationen, Einsatzaufträge oder Rückmeldungen wieder an die Einsatzkräfte weiter. Jede Meldung wird nachvollziehbar dokumentiert, damit jederzeit klar ist, welche Informationen wann eingegangen oder weitergegeben wurden.

Analoge Vordrucke neben digitaler Technik

Wie organisiert ihr diesen Betrieb technisch?

Neben der eigentlichen Kommunikation gehört auch die Organisation des Fernmeldebetriebs zu unseren Aufgaben. Wir arbeiten dabei mit bewährten analogen Verfahren, beispielsweise dem 4-fach-Vordruck, prüfen aber gleichzeitig immer wieder, wie sich Abläufe sinnvoll digitalisieren lassen. Gerade in Großschadenslagen ist es wichtig, dass Prozesse auch dann funktionieren, wenn Technik ausfällt oder unterschiedliche Systeme parallel genutzt werden müssen. Als Gruppenführer habe ich im Einsatz die Zusatzfunktion des Leiters Fernmeldebetrieb und koordiniere die Abläufe innerhalb der Fernmeldezentrale. Ich achte darauf, dass Informationen schnell, vollständig und strukturiert dort ankommen, wo sie für Entscheidungen benötigt werden. Denn eine gute Kommunikation ist oft die Grundlage für einen erfolgreichen Einsatz.

Beruf und Ehrenamt unter einem Hut

Wie bekommst du dein Ehrenamt mit deinem Beruf zusammen?

Das klappt nur mit guter Planung und manchmal auch mit etwas Improvisation. Natürlich gibt es Wochen, in denen Beruf, Weiterbildung und Ehrenamt gleichzeitig viel Zeit fordern. Trotzdem empfinde ich das Ehrenamt nicht als Belastung, sondern als sinnvollen Ausgleich. Außerdem merke ich immer wieder, dass sich vieles gegenseitig ergänzt. Dinge wie Kommunikation, Organisation oder das Arbeiten unter Zeitdruck helfen mir sowohl im Beruf als auch im Ehrenamt.

Hinter jeder Situation steckt ein Mensch

Was hat dich durch deine Erfahrungen im Pflege- und Gesundheitswesen sowie heute im Kundenkontakt am meisten geprägt, gerade im Umgang mit Menschen unter Druck?

Vor allem, dass man nie vergessen darf, dass hinter jeder Situation ein Mensch steckt. Ob im Gesundheitswesen, im Kundenkontakt oder im Einsatz: Menschen merken sehr schnell, ob jemand Ruhe ausstrahlt oder hektisch wird. Ich habe gelernt, aufmerksam zuzuhören, strukturiert zu bleiben und auch unter Druck respektvoll zu kommunizieren. Das hilft nicht nur im Einsatz, sondern eigentlich jeden Tag.

Das Weihnachtshochwasser bleibt im Kopf

Kommunikation unter Druck, sagst du selbst, sei dein Element. Gibt es einen Einsatz, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Weihnachtshochwasser 2023/2024. Über mehrere Tage waren unzählige Einsatzkräfte im Einsatz und unsere Aufgabe war es, die Kommunikation dauerhaft sicherzustellen. Gerade in solchen Lagen merkt man, wie wichtig eine funktionierende Führungsunterstützung ist. Mich beeindruckt bis heute der Zusammenhalt, sowohl innerhalb des THW als auch mit den anderen Organisationen. Jeder verfolgt das gleiche Ziel und genau das macht solche Einsätze besonders.

Rat an alle, die zögern

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, sich ehrenamtlich beim THW oder einer ähnlichen Organisation zu engagieren, aber noch zögert?

Einfach den ersten Schritt machen. Viele glauben, sie müssten schon alles können oder technisches Vorwissen mitbringen. Das stimmt überhaupt nicht. Die Ausbildung bekommt man im THW. Viel wichtiger sind Teamgeist, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Man lernt unglaublich viel fürs Leben, entwickelt sich persönlich weiter und findet oft Freundschaften, die weit über das Ehrenamt hinausgehen.

Was er sich für die Zukunft wünscht

Was wünschst du dir für die Zukunft, beruflich oder im Ehrenamt?

Ich wünsche mir, dass sich weiterhin viele Menschen für das Ehrenamt begeistern lassen. Organisationen wie das THW leben von Menschen, die bereit sind, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Es freut mich, dass das THW aktuell durch den Pakt für den Bevölkerungsschutz gestärkt wird, in dessen Rahmen auch das Bauprogramm des Bundes für neue THW-Liegenschaften entsteht. Das ist eine wichtige Investition in die Sicherheit der Bevölkerung. Für mich persönlich gilt: Ich möchte mich sowohl beruflich als auch im Ehrenamt weiterentwickeln, neue Erfahrungen sammeln und weiterhin Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig hoffe ich, dass ich andere dazu motivieren kann, selbst den Schritt ins Ehrenamt zu wagen. Denn am Ende lebt das Ehrenamt von den Menschen, die sich mit Herzblut engagieren.

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