RTL Deutschland zeigt ab dem 7. September, jeweils um 15:55 Uhr, fünf neue Folgen von „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“. Neu daran: Die Geschichten wurden mit generativer künstlicher Intelligenz aus bereits produzierten Episoden weiterentwickelt. Es ist der erste konkrete Einsatz von KI-generierten Inhalten im deutschen Free-TV-Programm, den RTL gemeinsam mit der Produktionsfirma Constantin Entertainment umsetzt.
Neue Fälle aus alten Aufnahmen
Für die fünf Folgen wurden Figuren, Handlungsverläufe und Urteile auf Basis bestehender Episoden neu entwickelt. Zum Einsatz kamen unter anderem Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen. So wird aus einer freigesprochenen Angeklagten eine verurteilte Täterin, aus einem Mutter-Sohn-Verhältnis ein Geschwisterverhältnis, oder ein bislang unbeteiligter Täter gesteht die Tat und verändert damit das Urteil. In einer Folge bekommt die Hauptfigur durch einen kompletten Gender-Swap eine neue Perspektive auf die gesamte Geschichte. Jede Folge sei redaktionell geprüft und juristisch abgesichert worden, teilt RTL mit.
Warum RTL und Constantin den Schritt wagen
„Erstmals zeigen wir im täglichen Grid, was generative KI heute schon leisten kann und was sie für die Zukunft des Erzählens bedeutet“, sagt Inga Leschek, Chief Content Officer bei RTL Deutschland. Gute Geschichten entstünden aber auch künftig durch Ideen, Erfahrung und redaktionelle Verantwortung, so Leschek weiter, KI erweitere die kreativen Werkzeuge, mit dem Ziel, Inhalte künftig schneller und effizienter für Streaming und Broadcast umzusetzen.
Max Orgonyi, Chief Transformation & AI Officer bei RTL Deutschland, beziffert die unternehmerischen Ambitionen: Bis 2030 wolle RTL über 150 Millionen Euro Wert mit KI generieren. Der Pilot mit Constantin Entertainment liege zwischen einer neuen Folge und einer Wiederholung, so Orgonyi, neue Geschäftsmodelle entstünden dabei sowohl für Broadcaster und Streamer als auch für Kreative und Produktionspartner.
Otto Steiner, Geschäftsführer von Constantin Entertainment, spricht von technischem und kreativem Neuland: Aus einer bestehenden Folge eine völlig neue Geschichte mit neuen Figuren, neuen Wendungen und teilweise einem kompletten Gender-Swap der Hauptfigur zu entwickeln, sei ein Meilenstein für die Produktionsbranche gewesen.
Wer die Kontrolle behält
Die für die KI-Bearbeitung notwendigen Rechte wurden laut RTL mit den beteiligten Talents geklärt. Redaktionelle Verantwortung, Rechteklärung und Qualitätskontrolle blieben dabei konsequent bei den Mitarbeitenden, betont der Sender. Die fünf Folgen versteht RTL als Praxistest unter realen Produktionsbedingungen, mit dem sich zusätzliche Auswertungsmöglichkeiten für bestehende Inhalte erschließen lassen sollen.
KI setzt RTL Deutschland nach eigenen Angaben bereits in mehreren Bereichen der Content-Produktion ein, etwa in der Postproduktion, bei Virtual Production, über die Jugendschutz-KI Merm:ai:d, im Newsroom sowie in Vermarktung und On-Air-Elementen.

