Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert Bund und Länder auf, den Umgang mit öffentlich zugänglichen staatlichen Informationen neu zu bewerten. Grund ist ein eigener Praxistest, bei dem der BDK ausschließlich frei verfügbare staatliche Veröffentlichungen mit handelsüblichen KI-Anwendungen ausgewertet und miteinander verknüpft hat.
Einzeln harmlos, zusammen brisant
Das Ergebnis: Für sich genommen unkritische Veröffentlichungen können in Kombination ein deutlich detaillierteres Lagebild über kritische Infrastruktur, technische Zusammenhänge und Abhängigkeiten liefern, als es aus den einzelnen Dokumenten ersichtlich wäre. BDK-Bundesvorsitzender Dirk Peglow bringt das Problem auf den Punkt: „Nicht der einzelne Mosaikstein ist entscheidend, sondern das Bild, das daraus entsteht.“
Was der BDK fordert
Konkret verlangt der Verband eine systematische Sicherheitsprüfung staatlicher Veröffentlichungen, eine ressortübergreifende Mosaikprüfung, die auch die Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen berücksichtigt, den Einsatz sogenannter Informations-Red-Teams, die gezielt testen, welche Erkenntnisse sich aus frei zugänglichen Informationen gewinnen lassen, sowie eine Überprüfung bestehender Veröffentlichungs- und Transparenzpflichten angesichts der neuen Möglichkeiten durch KI und automatisierte Datenanalyse.
Keine Absage an Transparenz
Dem BDK zufolge geht es dabei ausdrücklich nicht um weniger demokratische Kontrolle. Was für diese notwendig sei, müsse öffentlich bleiben. Peglow warnt aber davor, dass der Staat über notwendige Transparenz hinaus unnötig präzises sicherheitsrelevantes Wissen über die eigene Verwundbarkeit erzeugt. Entscheidend sei künftig nicht mehr nur, ob eine einzelne Information veröffentlicht werden dürfe, sondern auch, welche zusätzlichen Erkenntnisse sie im Zusammenspiel mit bereits verfügbaren Daten ermögliche. Der BDK fordert deshalb, Informationsresilienz fest in der Inneren Sicherheit und der Gesamtverteidigung zu verankern.

