Das Bundeskabinett hat heute die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen, mit der Offshore-Windflächen ab 2027 ausgeschrieben werden sollen. Der Energieverband BDEW begrüßt einen Teil der Neuregelung, sieht beim Ausschreibungsdesign aber weiteren Nachbesserungsbedarf.
Was der Entwurf vorsieht
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae wertet den Erhalt der Ausbauziele als positiv, ebenso den vorgesehenen Ausschreibungskorridor von durchschnittlich 3.000 Megawatt pro Jahr und ein Ausschreibungsvolumen von in der Regel 1.000 bis 1.200 Megawatt pro Fläche. Das sorge für einen verstetigten Ausbaupfad und ermögliche eine hohe Vielfalt an Marktakteuren.
Kritik am Vergabeverfahren
Der BDEW lehnt das im Entwurf vorgesehene zweistufige Zuschlagsverfahren ab, bei dem Betreiber zunächst das komplette Vermarktungsrisiko selbst tragen. Der Verband hält das für einen deutschen Sonderweg, der die internationale Attraktivität des Investitionsstandorts schwäche. Stattdessen schlägt der BDEW vor, alle Flächen direkt über zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference) mit einer Inflationsindexierung am europäischen Verbraucherpreisindex zu vergeben. Das senke die Risiken für Investoren und mache den Offshore-Ausbau insgesamt günstiger. Der BDEW begrüßt, dass die Bundesregierung eine solche Indexierung nun zumindest prüfen will.
Längere Laufzeiten und offene Fragen zu Altprojekten
Offshore-Windparks dürfen in der deutschen Nordsee bisher 25 Jahre betrieben werden, in der dänischen und niederländischen Nordsee bis zu zehn Jahre länger. Die im Entwurf vorgesehene Verlängerung auf 35 Jahre für Neuanlagen bewertet der BDEW positiv, sie senke die volkswirtschaftlichen Kosten. Dafür müssten aber auch die Regeln für Netzanschluss und Übertragungsnetzbetreiber entsprechend angepasst werden. Ungeklärt sei zudem, wie mit den seit 2023 bereits vergebenen Projekten umgegangen wird, deren Realisierung oder geordnete Rückgabe müsse noch vor den nächsten gesetzlichen Meilensteinen im parlamentarischen Verfahren geklärt werden.

