Die deutsche Industrie ist schwach ins dritte Quartal gestartet: Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Juli 2026 gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 1,1 Prozent. Die Industrieproduktion im engeren Sinn, also ohne Energie und Baugewerbe, gab sogar um 2,2 Prozent nach.
Automobilindustrie bricht deutlich ein
Hauptverantwortlich für den Rückgang ist die Automobilindustrie, deren Produktion um 9,2 Prozent zum Vormonat einbrach. Laut einer Mitteilung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) geht das unter anderem auf eine mehrwöchige Produktionspause zurück. Auch die Investitionsgüterproduktion sank mit 3,4 Prozent deutlich, Konsumgüter gaben um 2,2 Prozent nach, Vorleistungsgüter nur leicht um 0,2 Prozent.
Bau und Energie legen zu
Gegen den Trend liefen Baugewerbe und Energieerzeugung: Die Bauproduktion stieg um 0,9 Prozent, die Energieerzeugung sogar um 4,7 Prozent, vor allem durch mehr Strom aus Windkraft und Photovoltaik. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli 2025 lag die Industrieproduktion dennoch 3,3 Prozent niedriger.
DIHK: „Industriekonjunktur krebst vor sich hin“
Der DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen ordnet die Zahlen kritisch ein: „Die Industriekonjunktur krebst vor sich hin.“ Die Industrieproduktion sei damit auf den niedrigsten Stand seit der Pandemie gesunken. Von der seit Jahresbeginn positiveren Entwicklung der Auftragseingänge könne die heimische Industrie bislang nicht profitieren, so Zenzen weiter. Stattdessen verlagere sich Produktion zunehmend an ausländische Standorte. Ein nachhaltiger Aufschwung setze dringend bessere Standortbedingungen voraus, die strukturellen Probleme in Deutschland blieben überwiegend ungelöst.

