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Digitalisierung im Handwerk: Wie ein kleiner Straßenbaubetrieb GPS, Tablets und KI in den Arbeitsalltag holt

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Digitale Realität

Digitale Technik ist längst nicht mehr nur großen Baukonzernen vorbehalten. GPS-Vermessung und professionelle Planungssoftware sind inzwischen auch für kleinere Betriebe bezahlbar geworden, sagt Marcel Franz, Inhaber von Marcel Franz Straßen- und Erdbau aus Jülich. Im Interview beschreibt er, wie sich sein Arbeitsalltag durch die Digitalisierung verändert hat, wo klassisches Handwerk weiterhin unersetzlich bleibt und welche digitale Lösung er sich für die kommenden Jahre wünscht.

Tablets statt Ausdruck: Der Alltag auf der Baustelle

Bei Marcel Franz gehört heute jede Kolonne mit einem Tablet zur Standardausstattung. Pläne lassen sich darauf deutlich besser lesen als auf einem Ausdruck im DIN-A4-Format, einzelne Bereiche können vergrößert und aktuelle Planstände direkt von der Baustelle abgerufen werden. Aus dem Büro lassen sich die Kolonnen kurzfristig mit neuen Plänen, Lieferscheinen und weiteren Unterlagen versorgen.

Auch die GPS-Vermessung bringt handfeste Vorteile: Alte Leitungstrassen lassen sich anhand vorliegender Koordinaten direkt auffinden, neue Trassen bereits am offenen Graben exakt einmessen und dokumentieren. Ein externer Vermesser, der oft erst nach dem Verschließen des Grabens kommt, wird damit überflüssig. Das spart Zeit und sorgt gleichzeitig für genauere Bestandsdaten.

Trotzdem bleibt für Marcel Franz die klassische Arbeitsweise wichtig: Digitale Technik kann die Erfahrung eines guten Straßen- oder Tiefbauers nicht ersetzen, gerade beim Beurteilen von Bodenverhältnissen oder bestehenden Leitungsverläufen braucht es weiterhin Fachwissen und einen geschulten Blick.

Organisation statt Baustelle: Wo die Digitalisierung noch stärker wirkt

Nach Einschätzung von Marcel Franz verändert die Digitalisierung sein Geschäft im Büro sogar noch stärker als draußen auf der Baustelle. Zahlreiche Programme lassen sich heute miteinander kombinieren und vereinfachen Angebotserstellung, Rechnungsstellung, Dokumentation, Kommunikation und Terminplanung. Auch künstliche Intelligenz kann inzwischen viele Aufgaben übernehmen oder vorbereiten, wenn sie richtig auf die Anforderungen des Unternehmens abgestimmt wird.

Gerade für kleinere Betriebe ohne eigene Verwaltung sei das wertvoll: Die tägliche organisatorische Belastung lasse sich spürbar reduzieren, die Entscheidungen und die Verantwortung blieben aber weiterhin beim Unternehmer.

Ein Problem, das Marcel Franz im Alltag konkret begegnet: Wenn Systeme nicht miteinander kommunizieren, werden Stundenzettel, Lieferscheine, Aufmaße oder Rechnungsdaten mehrfach bearbeitet, im schlimmsten Fall doppelt übertragen und kontrolliert. Entscheidend sei deshalb nicht die Zahl der eingesetzten Programme, sondern eine gemeinsame Struktur, in der alle Mitarbeiter mit denselben Informationen arbeiten.

Sein Maßstab für eine gute digitale Lösung: Sie muss Zeit sparen und einfach zu bedienen sein, ohne aufwendige Schulung. Wird ein System nur eingeführt, weil es modern wirkt, aber am Ende mehr Aufwand verursacht als vorher, wird Digitalisierung für ihn zum Selbstzweck.

Der Wunsch für die Zukunft: eine zentrale Leitungsdaten-Plattform

Für die kommenden Jahre wünscht sich Marcel Franz vor allem eine zentrale, versorgerübergreifende Plattform für Leitungsdaten, auf der sich für einen geplanten Bauabschnitt alle verfügbaren Informationen zu Gas-, Wasser-, Strom- und Telekommunikationsleitungen gebündelt abrufen lassen, im Idealfall direkt als Koordinaten für das GPS-System. Gerade bei älteren Leitungen seien vorhandene Pläne teils ungenau oder unvollständig, im schlimmsten Fall werde eine unbekannte Leitung erst entdeckt, wenn sie bereits beschädigt sei. Künstliche Intelligenz könnte laut Franz künftig helfen, vorhandene Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen und für die Baustelle nutzbar zu machen, ohne die fachliche Prüfung zu ersetzen.

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