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Nicolá Streitt, Gebietsleiter bei Eschenbach Optik

Sehvermögen im Alter: Wie Betroffene ihre Selbstständigkeit im Alltag erhalten können

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Kleingedrucktes wird schwerer lesbar, Kontraste verschwimmen, Blendung bei Dämmerlicht nimmt zu: Wenn das Sehen im Alter nachlässt, reicht eine normale Brille oft nicht mehr aus. Nicolá Streitt, Gebietsleiter bei Eschenbach Optik, erklärt im Interview, woran Betroffene und Angehörige erste Warnsignale erkennen, welche Hilfsmittel es gibt und wie sich der Alltag mit einfachen Mitteln spürbar erleichtern lässt.

Wer merkt, dass Lesen anstrengender wird oder das Sehen bei schlechtem Licht nachlässt, denkt zunächst oft an eine gewöhnliche Fehlsichtigkeit. Tatsächlich steckt dahinter aber nicht immer etwas, das sich mit einer neuen Brille beheben lässt. Altersbedingte Augenerkrankungen wie Grauer Star, Grüner Star oder Makuladegeneration können die Sehfähigkeit zusätzlich einschränken, und viele Betroffene gleichen das lange unbewusst aus, etwa durch veränderte Kopfhaltung oder Blickführung. Nicolá Streitt, Gebietsleiter bei Eschenbach Optik, ordnet im Interview ein, welche Signale ernst genommen werden sollten und welche Unterstützung es im Alltag gibt.

Wenn die Brille allein nicht mehr reicht

Viele Menschen merken zunächst nur, dass das Lesen anstrengender wird oder sie bei schlechtem Licht schlechter sehen. Woran lässt sich erkennen, dass möglicherweise nicht mehr nur eine normale Fehlsichtigkeit vorliegt und eine Brille allein nicht mehr ausreicht?

Eine klassische Fehlsichtigkeit wie Kurz- oder Weitsichtigkeit lässt sich normalerweise mit Brille oder Kontaktlinsen korrigieren. Alterssichtigkeit entsteht beispielsweise, weil die Elastizität der Augenlinse nach und nach abnimmt und wir damit nicht mehr so gut auf nahe Gegenstände fokussieren können. Kleingedrucktes sowie Details sind im Alltag dann zunehmend schwerer zu erkennen. Mit einem entsprechenden Nahzusatz in der Brille lässt sich hier einiges ausgleichen.

Wenn trotz Brille das Sehen deutlich eingeschränkt bleibt, sollte man genauer hinschauen: Möglicherweise beobachten Betroffene bei sich zum Beispiel verzerrtes Sehen, Gesichtsfeldausfälle, deutliche Kontrastverluste, zunehmende Blendempfindlichkeit oder Schwierigkeiten bei schlechten Lichtverhältnissen. Altersbedingte Augenerkrankungen wie Grauer Star, Grüner Star oder Makuladegeneration können die Sehfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen. Wichtig ist, dass Betroffene Auffälligkeiten ärztlich abklären lassen.

Gerade ältere Menschen versuchen häufig lange, Einschränkungen auszugleichen. Welche typischen Alltagssituationen sind aus Ihrer Erfahrung erste Warnsignale dafür, dass eine zusätzliche Sehhilfe sinnvoll sein könnte?

Zum Beispiel wenn Kleingedrucktes auf Verpackungen, Medikamenten oder Speisekarten trotz Brille zunehmend schwierig wird oder Schwierigkeiten gerade bei schlechtem Licht oder in der Dämmerung auftreten. Gleichzeitig kann die Blendempfindlichkeit zunehmen oder Kontraste werden schlechter wahrgenommen, etwa bei Treppenstufen oder Bordsteinkanten. Auch das Gesichtsfeld kann sich verändern: Gegenstände oder Personen werden dadurch möglicherweise nicht mehr so gut wahrgenommen. Man merkt vielleicht zunächst gar nicht, dass das Sehen schlechter geworden ist, sondern passt unbewusst sein Verhalten an, etwa durch Blickführung und Kopfhaltung.

Das passende Hilfsmittel finden

Das Angebot reicht von klassischen Handlupen und Lupenbrillen bis zu elektronischen Lupen und Bildschirmlesegräten. Wie findet man heraus, welches Hilfsmittel für die eigene Situation tatsächlich geeignet ist?

Es gibt nicht „die eine“ Sehhilfe für alle Sehaufgaben, aber es gibt für alle Sehaufgaben das passende Hilfsmittel. Entscheidend ist die Frage, was die betroffene Person im Alltag wieder besser sehen möchte. Lesen, Fernsehen, Handarbeiten, Kochen, Einkaufen oder die Bedienung von Geräten stellen ganz unterschiedliche Anforderungen. Beratung und Ausprobieren sind deshalb essenziell. Die klassische Handlupe, Standlupe, Lupenbrille, elektronische Lupe oder das Bildschirmlesegerät, jedes System hat seine Stärken. Auch Vergrößerungsbedarf, Arbeitsabstand, Mobilität und Beleuchtungsbedarf spielen eine Rolle. Das Hilfsmittel sollte möglichst einfach und intuitiv in den Alltag integrierbar sein und zur jeweiligen Sehaufgabe passen.

Elektronische Sehhilfen bieten heute deutlich mehr Möglichkeiten als eine klassische Lupe. Für welche Menschen und Alltagssituationen sind solche Geräte besonders interessant, und wo liegen ihre Grenzen?

Elektronische Sehhilfen eignen sich insbesondere für Menschen mit erhöhtem Vergrößerungs- und/oder Kontrastbedarf und hohem Anspruch an gutes Sehen. Sie lassen sich individuell auf die Sehaufgaben und Bedürfnisse von Betroffenen einstellen und ermöglichen je nach Modell nicht nur eine hohe Vergrößerung, sondern auch Kontrastverstärkung, Farbwahl oder Anpassung der Darstellung. Manche elektronischen Sehhilfen sind kompakt und mobil einsetzbar, andere eher für einen festen Arbeitsplatz gedacht. Alle Geräte sind so konzipiert, dass sie möglichst intuitiv und einfach bedienbar sind.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

Licht, Kontraste und Blendung spielen beim Sehen eine große Rolle. Welche drei oder vier Veränderungen können Betroffene zu Hause relativ einfach umsetzen, um sich den Alltag spürbar zu erleichtern?

Zunächst sollten Betroffene die eigene Raumbeleuchtung überprüfen und gezielt verbessern. Eine gute und gleichmäßige Beleuchtung kann gerade beim Lesen oder bei Handarbeiten enorm helfen. Wichtig ist hier: Nicht „viel Licht“, sondern vor allem das passende und gleichmäßige Licht ist entscheidend. Schatten und störende Reflexionen gilt es möglichst zu vermeiden. Lupen mit integrierter Beleuchtung können insbesondere bei kleinen Schriftgrößen hilfreich sein. Bei elektronischen Lupen oder auf dem Smartphone können Betroffene Kontraste bewusst zur besseren Lesbarkeit einsetzen, beispielsweise dunkle Schrift auf hellem Untergrund. Außerdem kann Blendung nicht nur durch individuell einstellbare Leuchten, sondern auch durch spezielle Filterbrillen reduziert werden.

Selbstständigkeit beginnt mit dem ersten Schritt

Wenn die Sehkraft nachlässt, geht es nicht nur um das Lesen kleiner Schrift, sondern häufig auch um Orientierung, Mobilität und das Gefühl von Selbstständigkeit. Was kann aus Ihrer Erfahrung dazu beitragen, dass Betroffene möglichst lange selbstständig bleiben?

Das Hilfsmittel muss zum Menschen und zu seiner konkreten Sehaufgabe passen. Je einfacher und intuitiver die Anwendung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich im Alltag genutzt wird. Ziel sollte nicht sein, möglichst viel Technik einzusetzen, sondern die passende Unterstützung für die jeweilige Situation zu finden. Selbstständigkeit bedeutet, alltägliche Dinge weiterhin eigenständig erledigen zu können: lesen, einkaufen, kochen, Medikamente unterscheiden, Geräte bedienen, Hobbys ausüben. Wichtig ist, Einschränkungen frühzeitig ernst zu nehmen, statt sich über Jahre mit immer größeren Kompromissen abzufinden. Angehörige können unterstützen, sollten dabei aber möglichst Selbstständigkeit fördern, statt Aufgaben komplett abzunehmen.

Viele Betroffene und Angehörige wissen zunächst gar nicht, an wen sie sich wenden sollen. Wie sieht aus Ihrer Sicht der sinnvollste Weg aus, wenn jemand feststellt, dass das Sehvermögen im Alltag zunehmend Probleme bereitet?

Entscheidend ist die Kombination aus medizinischer Untersuchung und praktischer Beratung: Zunächst sollte eine augenärztliche Abklärung stattfinden, insbesondere wenn sich das Sehen spürbar verändert oder neue Beschwerden auftreten. Spezialisierte Augenoptiker unterstützen dann bei der Auswahl und Anpassung geeigneter Sehhilfen, verschiedene Hilfsmittel werden ausprobiert und verglichen. „Die beste Lösung ist nicht unbedingt das technisch aufwendigste Hilfsmittel mit der höchsten Vergrößerung, sondern das Produkt, welches im Alltag funktioniert und gerne benutzt wird“, so Streitt. Betroffene sollten sich frühzeitig beraten lassen, bevor Einschränkungen zu Unsicherheit, Rückzug oder Verlust von Selbstständigkeit führen.

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