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Jörg Maire von Digitale Realität aus Freren über KI im Mittelstand

Künstliche Intelligenz: Die Mehrheit der Unternehmen nutzt sie – was kleine Betriebe jetzt tun können

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Digitale Realität

Hinweis: Das Beitragsbild dieses Artikels wurde mit künstlicher Intelligenz optimiert.

Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft angekommen. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom, die am 14. September 2026 veröffentlicht wurde, setzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein. Ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren 20 Prozent. Erstmals nutzt damit die Mehrheit der Unternehmen KI. Doch die Zahlen zeigen auch: Zwischen großen und kleinen Betrieben klafft eine deutliche Lücke. Für den Mittelstand in Emsland, Grafschaft Bentheim, Osnabrücker Land und Münsterland ist das Herausforderung und Chance zugleich.

Große Unternehmen liegen vorn

Das Statistische Bundesamt erhebt die KI-Nutzung bei Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Für 2025 weist es einen Anteil von 26 Prozent aus. Bei Unternehmen ab 250 Beschäftigten waren es 57 Prozent, bei mittleren Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten 36 Prozent und bei kleinen Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten 23 Prozent. Die Werte der beiden Erhebungen unterscheiden sich unter anderem durch Erhebungsjahr, Methode und die einbezogenen Unternehmensgrößen. Die Richtung ist aber eindeutig.

Jörg Maire von Digitale Realität aus Freren begleitet Mittelständler beim Einsatz von KI in Vertrieb und Kundenkommunikation. Die Lücke überrascht ihn nicht: „Große Unternehmen haben eigene IT-Abteilungen, Budgets und Leute, die sich mit neuen Werkzeugen beschäftigen können. Im kleinen Betrieb macht der Chef das nebenher, wenn überhaupt.“ Einen Nachteil sieht er darin trotzdem nicht unbedingt: „Kleinere Unternehmen sind schneller in der Entscheidung, und ihre Abläufe sind überschaubarer.“

Kundenkontakt ist das wichtigste Einsatzfeld

Wofür nutzen Unternehmen KI? Laut Bitkom vor allem im Kundenkontakt: 72 Prozent der KI-Anwender setzen sie dort ein, etwa für die Bearbeitung von Anfragen. Im Vertrieb nutzen 14 Prozent der Anwender KI, nach 5 Prozent im Vorjahr. Maire erwartet hier die größte Bewegung: „Anfragenbearbeitung und Vertrieb gehören eng zusammen. Wer eine Anfrage schnell und gut beantwortet, hat den ersten Schritt zum Auftrag schon gemacht.“

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Projekt bei einem Hundefutterhersteller mit rund 60 Mitarbeitenden. Dort gingen laut Strichliste jede Woche 60 bis 100 Anrufe bei der telefonischen Futterberatung verloren. Heute nimmt ein KI-Telefonassistent jeden Anruf an, fragt die Daten des Hundes ab und empfiehlt anhand einer Datenbank das passende Futter. Die fünf Mitarbeitenden im Vertrieb haben dadurch wieder Zeit für Neukunden.

Die eigentlichen Kosten liegen in den Daten

Bei den Kosten lohnt ein genauer Blick. Laut Bitkom nennen KI-Anwender als größte Kostenpunkte Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung (51 Prozent) und die Aufbereitung von Daten (50 Prozent). Software-Abos und Lizenzen nennen nur 21 Prozent. Das deckt sich mit Maires Erfahrung: „Beim Futterhersteller war nicht die Technik der große Posten, sondern die Datenbank.“ Zwei Wochen Fleißarbeit mit drei Mitarbeitenden waren nötig, bis alle Sorten und Empfehlungen sauber hinterlegt waren. Die Einrichtung kostete am Ende 4.500 Euro, im laufenden Betrieb werden etwa 25 Cent pro Gesprächsminute abgerechnet.

Hype-Zweifel nehmen ab, Hemmnisse bleiben

Die Skepsis in den Unternehmen sinkt. Laut Bitkom halten nur noch 8 Prozent KI für einen überschätzten Hype, 2024 waren es 26 Prozent. 91 Prozent sehen KI als wichtigste Zukunftstechnologie. Hemmnisse gibt es dennoch: Unternehmen, die KI bereits nutzen, nennen vor allem Datenschutzanforderungen (66 Prozent), rechtliche Unsicherheit (56 Prozent) und schwer kalkulierbare Kosten (54 Prozent). Unternehmen ohne KI fehlt vor allem technisches Know-how (85 Prozent).

Maire rät, diese Punkte von Anfang an mitzudenken, statt sich von ihnen abhalten zu lassen. Wichtig sei vor allem Transparenz: „Wer offen sagt, dass ein KI-Assistent im Einsatz ist, verliert kein Vertrauen.“

Weiterbildung wird zur Pflichtaufgabe

Mit der Verbreitung von KI wächst auch der Bedarf an Wissen in den Belegschaften. Laut Bitkom schulen inzwischen 70 Prozent der Unternehmen ihre Beschäftigten im Umgang mit KI. Im Vorjahr hatten noch 43 Prozent gar keine Schulungen angeboten, jetzt sind es 25 Prozent. Für Maire ist das ein wichtiger Schritt: „Wenn Mitarbeitende sehen, dass die KI ihnen die Routine abnimmt und nicht ihren Arbeitsplatz, wird aus Skepsis schnell Unterstützung.“ Beim Futterhersteller hatten die Mitarbeitenden anfangs Angst um ihre Jobs. Drei von ihnen aus Marketing und Außendienst bauten die Datenbank selbst mit auf. Als das Team merkte, dass mehr Umsatz gemacht wird und sich die eigenen Gespräche verändern, drehte sich der Blick auf die KI. Für Maire ist klar: „KI kann beraten, aber der Mensch kauft vom Menschen.“

Der nächste Schritt: KI-Agenten

Schon zeichnet sich die nächste Entwicklung ab. KI-Agenten erledigen selbstständig mehrere Arbeitsschritte, etwa eine Anfrage aufnehmen, passende Produkte heraussuchen und einen Termin vorschlagen. Laut Bitkom setzen 11 Prozent der Unternehmen solche Agenten bereits ein, 29 Prozent planen es. Maire rät zu Gelassenheit: Ein Telefonassistent, der berät, auf eine Datenbank zugreift und an den richtigen Mitarbeiter übergibt, sei im Grunde schon ein einfacher Agent. „Für die meisten Mittelständler ist genau das der richtige Einstieg: ein klar umrissener Ablauf, bei dem die KI mehrere Schritte übernimmt, aber an definierten Stellen ein Mensch entscheidet.“

So gelingt der Einstieg

Für kleinere Betriebe empfiehlt Maire einen pragmatischen Start: zuerst eine Bestandsaufnahme, etwa mit einer Strichliste über verlorene Anrufe. Daraus ergibt sich fast immer ein erster, klar umrissener Anwendungsfall. „Den setzt man um, misst das Ergebnis und erweitert dann Schritt für Schritt.“ Seine Einschätzung für die kommenden Jahre: „Ich erwarte, dass schnelle Erreichbarkeit in wenigen Jahren so selbstverständlich ist wie heute eine Website.“ Wer jetzt anfange, habe dann einen klaren Vorsprung.

Quellen: Bitkom, Presseinformation vom 14.09.2026 · Statistisches Bundesamt, IKT-Erhebung

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