Bricht ein Mensch mit Herz-Kreislauf-Stillstand zusammen, greifen in Deutschland heute deutlich mehr Umstehende ein als noch vor 15 Jahren. Lag die Quote der Laienreanimation 2010 bei 14 Prozent, waren es 2025 mehr als 53 Prozent. Diese Bilanz zieht das Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung (NAWIB), das an diesem Sonntag und Montag, 18. und 19. Oktober, in Köln sein zehnjähriges Bestehen feiert.
Vom kleinen Bündnis zu 28 Organisationen
Gegründet wurde das NAWIB 2016 von 13 Organisationen, gemeinsam mit der damaligen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die heute Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) heißt. Die Schirmherrschaft liegt beim Bundesgesundheitsministerium. Zum Start halfen Laien nach Angaben des Bündnisses in rund 42 Prozent der Fälle. Inzwischen gehören dem Netzwerk 28 Organisationen an, darunter seit 2017 die Gerald Asamoah Stiftung für herzkranke Kinder aus Gelsenkirchen.
Zum Anstieg beigetragen haben laut NAWIB geprüfte Schulungen, Pilotprojekte an Schulen, digitale Angebote und Erfahrungsberichte Betroffener, die auf wiederbelebung.de gesammelt werden.
Zuletzt ging die Quote leicht zurück
Der Trend verläuft allerdings nicht ungebrochen. Nach Daten des Deutschen Reanimationsregisters lag die Quote 2024 noch bei 55,4 Prozent und sank 2025 auf 53,5 Prozent. Das Bündnis räumt selbst ein, dass viele Menschen weiterhin zögern, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen.
Was im Notfall zu tun ist
Die Regel des Bündnisses passt in drei Wörter: Prüfen, Rufen, Drücken. Wer eine bewusstlose Person findet, spricht sie an und prüft, ob sie reagiert. Bleibt die Reaktion aus, wird sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert und ohne Zögern mit der Herzdruckmassage begonnen. Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.
Asamoah: Medizin allein reicht nicht
Der frühere Nationalspieler Gerald Asamoah hat selbst mit einem angeborenen Herzfehler Profifußball gespielt. Seine Stiftung kümmert sich um herzkranke Kinder. Die beste Medizin nütze aber wenig, wenn im Notfall niemand mit der Herzdruckmassage beginne, sagt er. Für ihn ist Wiederbelebung „auch eine Frage der Zivilcourage“.
Wiederbelebung soll fester Teil des Unterrichts werden
Für die nächsten Jahre hat sich das NAWIB vier Ziele gesetzt. Es will Bevölkerungsgruppen erreichen, die bisher kaum angesprochen wurden, und schon Kinder und Jugendliche früher sensibilisieren. Die Mitgliedsorganisationen empfehlen dafür, Wiederbelebungsunterricht flächendeckend und dauerhaft an Schulen zu verankern. Außerdem soll der Austausch zwischen Fachleuten aus verschiedenen Bereichen enger werden, und mehr Ersthelfende sollen dafür sorgen, dass Notrufe schneller abgesetzt werden und die Zeit bis zur ersten Hilfe kürzer wird.

