Rautke zur Horst aus Bramsche ist 16 Jahre alt und macht seit August 2026 eine Ausbildung zum Landwirt. Gut elf Monate zuvor hatte er bei einem Fahrradunfall ein lebensbedrohliches Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Sein erster großer Wunsch nach dem Aufwachen aus dem künstlichen Koma: eigene Rinder. Das Marienhospital Osnabrück der Niels-Stensen-Kliniken berichtet nun über den Verlauf.
Unfall wenige Meter vom Hof entfernt
Am Freitag, 5. September 2025, verunglückte der damals 15-Jährige gegen 16.30 Uhr mit dem Fahrrad, wenige Meter vom elterlichen Hof entfernt. Ein beteiligter Autofahrer, selbst Notarzt, leistete sofort Erste Hilfe. Rautke wurde ins Marienhospital Osnabrück gebracht, wo das Krankenhaus den Schockraum aktivierte. Rund 15 Ärzte und weitere Fachkräfte standen bereit.
Gegen 18 Uhr kam er in den Operationssaal. Das Team der Neurochirurgie unter Chefarzt Prof. Dr. Christoph Greiner versetzte ihn in ein künstliches Koma und legte eine Sonde zur Messung des Hirndrucks. Um dem geschwollenen Gehirn mehr Platz zu verschaffen, wurde zudem ein Teil des Schädelknochens entnommen und eingefroren, damit er später wieder eingesetzt werden konnte.
„Ein älterer Mensch hätte das möglicherweise nicht überstanden“, sagt Greiner mit Blick auf die Schwere der Verletzungen. Rautke sei jung und körperlich fit gewesen.
Erste Anzeichen nach 48 Stunden
Nach ungefähr 48 Stunden prüften die Ärzte, wie er auf die Behandlung reagierte. Er zeigte einen eigenen Atemantrieb und konnte sich bewegen, auch der neurologische Befund war ermutigend. Rautke verbrachte etwa zehn Tage auf der Intensivstation und kam dann auf die Normalstation. Die Familie besuchte ihn im Krankenhaus und sprach mit ihm, in Bramsche nahmen viele Menschen Anteil.
Der Wunsch nach eigenen Rindern
Beim Aufwachen fragte Greiner den Jugendlichen nach seinem Lieblingstrecker, der als Miniatur auf der Fensterbank stand. Die Antwort kam prompt: ein MB-trac. Rautke wünschte sich außerdem, sich bald wieder um eigene Rinder kümmern zu können. Nach den Erinnerungen der Mutter war binnen einer Stunde nach seinem Erwachen in der Familie entschieden, dass dieser Wunsch Wirklichkeit werden sollte.
Er ging in Erfüllung: Ein Vierteljahr nach dem Unfall konnten fünf Kälber eingestallt werden.

Zurück in die Schule, dann in die Ausbildung
Am Mittwoch, 15. Oktober 2025, setzten die Ärzte den zuvor entnommenen Teil der Schädeldecke wieder ein. Es folgte eine Rehabilitation. Am Montag, 1. Dezember 2025, kehrte Rautke in die IGS Bramsche zurück. Im August 2026 begann er die Ausbildung zum Landwirt, seinen Traumberuf.
Greiner bewertet den Verlauf als außergewöhnlich positiv. Dazu hätten die schnelle Versorgung, die Behandlung durch das neurochirurgische Team, Rautkes körperliche Voraussetzungen und die Rehabilitation beigetragen. „Schwere Kopfverletzungen können bleibende körperliche, kognitive oder neurologische Einschränkungen verursachen. Umso bemerkenswerter ist es, wenn ein junger Mensch nach einem solchen Unfall wieder in die Schule zurückkehren und anschließend eine Berufsausbildung beginnen kann“, sagt der Chefarzt.

