Wasser holen, einkaufen, das Haus verlassen: In Kramatorsk kann das nach Schilderung von Anna Elsbernd lebensgefährlich sein. Die aus der Grafschaft Bentheim stammende Helferin berichtet davon in der neuen Folge des Podcasts „Friedensreiter“ des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen. Die Folge erscheint am 29. Oktober 2026.
Evakuierungsfahrten mit Drohnen im Nacken
Elsbernd leitet die Hilfsorganisation Universal Aid Ukraine, die Zivilisten aus umkämpften Frontgebieten in Sicherheit bringt. In der Ukraine engagiert sie sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022. Der zunehmende Einsatz von Drohnen habe den Krieg verändert, sagt sie: Selbst Evakuierungsfahrten seien inzwischen lebensgefährlich, und an kaum einem Tag vergehe die Arbeit ihres Teams ohne unmittelbare Bedrohung.
Zur Lage vor Ort sagt sie: „Wir haben keinen Strom. Wir haben kein Wasser.“ Erst kürzlich seien Menschen beim Wasserholen an einer Kirche von russischen Drohnen angegriffen worden, und wenige Tage später sei die Kirche zerstört worden. Diese Schilderung lässt sich von hier aus nicht unabhängig überprüfen.
Warum viele trotzdem in ihren Häusern bleiben
Dass Menschen trotz der Gefahr ausharren, erklärt Elsbernd mit der Angst, alles zu verlieren: das über Jahrzehnte aufgebaute Zuhause, soziale Bindungen und jede wirtschaftliche Sicherheit. Für viele bedeute die Flucht deshalb auch den Verlust ihrer bisherigen Existenz. Ihr Team versuche, Vertrauen aufzubauen und die Menschen von einer rechtzeitigen Evakuierung zu überzeugen. Welche politische Haltung die Geretteten haben, spiele für sie keine Rolle.
Ihre Sicht auf die Debatte über ein Kriegsende
Zur politischen Diskussion äußert sich Elsbernd ebenfalls. Nach ihrer Einschätzung sei ein Frieden, der die Abtretung ukrainischer Gebiete erzwinge, kaum vorstellbar, da die ukrainischen Soldaten aus ihrer Sicht für Familie, Freiheit und Heimat kämpften. Für die in Deutschland beklagte „Kriegsmüdigkeit“ habe sie wenig Verständnis. Das sind ihre persönlichen Einschätzungen.
Ihren größten Wunsch fasst sie in einen Satz: „Ich wäre so gerne arbeitslos.“ Das hieße, dass ihre Arbeit nicht mehr nötig ist.
Der Podcast und wo man ihn hört
„Friedensreiter“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Ludwig-Windthorst-Hauses, der Katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück in Lingen, und des Instituts für Frieden und Militärethik (IFME) in Hamburg. Der Name erinnert an die Friedensreiter, die bei den Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges zwischen den Delegationen in Münster und Osnabrück pendelten. Hosts sind Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretender Direktor des IFME, und LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink.
Die erste Folge erschien im Oktober 2024, seither hat der Podcast nach Angaben der Veranstalter mehr als 250.000 Aufrufe, und zu den bisherigen Gästen zählen unter anderem Carlo Masala und Christian Wulff. Zu hören und zu sehen ist er als Video-Podcast auf YouTube und auf den gängigen Audio-Plattformen. Alle Links gibt es unter linktr.ee/friedensreiter.

