Wer im Oldenburger Münsterland noch einen Ausbildungsplatz sucht, hat weiterhin Chancen: Zum Stichtag 30. September 2026 waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Vechta, der die Landkreise Cloppenburg und Vechta umfasst, noch 178 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Dem standen 91 Ausbildungssuchende ohne Platz gegenüber. Das geht aus der Jahresbilanz zum Ausbildungsjahr 2025/2026 hervor, die die Agentur am 30. Oktober 2026 gemeinsam mit IHK und Kreishandwerkerschaften vorgelegt hat.
Wo es noch freie Plätze gibt
Im Handwerk im Landkreis Vechta meldet die Kreishandwerkerschaft nach einer eigenen Umfrage derzeit 98 freie Ausbildungsplätze. Die meisten gibt es für Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima (22), gefolgt von Elektronikern (19), Zimmerern (15), Maurern (12) und Metallbauern (6). Weitere 24 Plätze verteilen sich auf andere Handwerksberufe. Ein Einstieg ist auch nach dem Ausbildungsstart am 1. August 2026 noch möglich.
Die Agentur für Arbeit rät Ausbildungssuchenden, sich früh an die Berufsberatung zu wenden. Sie nennt freie Stellen, hilft bei der Auswahl und begleitet den Weg in die Ausbildung. Die Agentur Vechta sitzt in der Rombergstraße 51 in 49377 Vechta. Eine eigene Rufnummer der Berufsberatung nennt die Agentur in ihrer Bilanz nicht, Ansprechpartner für Fragen ist die Agentur für Arbeit Vechta selbst. Betriebe können freie Stellen dem Arbeitgeber-Service digital oder telefonisch melden.
Zahlen für beide Landkreise
Im gesamten Agenturbezirk wurden zwischen Anfang Oktober 2025 und Ende September 2026 insgesamt 2.682 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, zwei mehr als im Vorjahr. Zugleich suchten 2.098 junge Menschen mit Hilfe der Berufsberatung einen Platz, 71 oder 3,3 Prozent weniger als zuvor. Besetzt werden konnten 125 Stellen mehr als im Vorjahr, ein Plus von 8,6 Prozent.
Im Landkreis Cloppenburg wurden 1.252 betriebliche Stellen gemeldet, 86 oder 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 136 davon blieben unbesetzt, 38 mehr als zuvor. Bei den Bewerbern stehen 1.154 Ausbildungssuchende zu Buche (sieben weniger als im Vorjahr), 51 von ihnen blieben ohne Ausbildungsplatz. Das sind 19 mehr als im Vorjahr, ein Anstieg um 59,4 Prozent.
Im Landkreis Vechta wurden 1.430 Stellen gemeldet, 84 oder 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Nur 42 blieben unbesetzt, 39 weniger als zuvor. Es gab 944 Ausbildungssuchende, 64 oder 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr, und 40 von ihnen blieben ohne Platz, zehn weniger als im Vorjahr.
Weniger neue Lehrverträge bei der IHK
Die Zahl der bei der Oldenburgischen IHK eingetragenen neuen Ausbildungsverträge ist deutlich gesunken. Im gesamten Oldenburger Land waren es zum 30. September 2026 genau 3.544 Verträge nach 3.967 im Vorjahr, ein Rückgang um 10,7 Prozent. Für das Oldenburger Münsterland meldet die IHK ein Minus von 7,2 Prozent. Die Verträge im gewerblich-technischen Bereich gingen dort um 11,3 Prozent zurück, im kaufmännischen Bereich um 4,5 Prozent.
Eine Blitzumfrage der IHK unter knapp 2.000 Ausbildungsbetrieben, von denen knapp 29 Prozent antworteten, zeigt ein Problem auf beiden Seiten. Ein Viertel der Betriebe konnte nicht alle für 2026 geplanten Stellen besetzen. Viele berichten von fehlenden Bewerbungen und von Defiziten bei Schulkenntnissen, Motivation und Ausbildungsreife. Zugleich verringert die wirtschaftliche Lage die Zahl der angebotenen Stellen. Aktuell würden 45 Prozent der Betriebe ihre offenen Stellen noch besetzen. Im Oldenburger Land stehen mehr als 120 IHK-Ausbildungsberufe zur Wahl.
Handwerk im Landkreis Cloppenburg fast auf Vorjahresniveau
Die Kreishandwerkerschaft Cloppenburg zählt Ende September 2026 insgesamt 488 neue Ausbildungsverträge, sechs weniger als die 494 im Jahr 2025. Das ist ein Rückgang um 1,2 Prozent, nachdem es im Vorjahr noch 9,9 Prozent weniger gewesen waren.
Deutlich zugelegt haben die Elektroniker von 57 auf 73 Neuverträge, sie sind damit der Ausbildungsberuf mit den meisten Abschlüssen. Auch bei Malern und Lackierern (von 32 auf 36), Fahrzeuglackierern (von 2 auf 7) und Friseuren (von 10 auf 12) gab es mehr Verträge. Das Bau- und Ausbaugewerbe insgesamt steigt von 110 auf 120. Stabil blieben Metallbauer mit 48, Zimmerer mit 34 und Tischler mit 34 Verträgen.
Rückgänge gab es bei den Kfz-Mechatronikern, von 77 auf 58 und damit um 19 Verträge. Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk sanken von 20 auf 8, Kaufleute für Büromanagement von 19 auf 14 und Land- und Baumaschinenmechatroniker von 25 auf 22. Im Nahrungsmittelgewerbe insgesamt gingen die Verträge von 13 auf 7 zurück. Bei den Frauen sank die Zahl neuer Verträge von 80 auf 62, ihr Anteil an allen Neuverträgen von 16,2 auf 12,7 Prozent.
Dennis Makselon, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, warnt vor falscher Sicherheit: Wenn erfahrene Beschäftigte in Rente gehen, verlören die Betriebe Wissen und Personal, vor allem im Elektro-, SHK-, Kfz- und Metallhandwerk. Als Gegenmittel nennt die Kreishandwerkerschaft Berufsorientierungswochen an Schulen und Projekte für Zugewanderte. Neu ist ein Projekt zur Ausbildungsmigration, über das seit August 2026 erstmals Menschen aus Jordanien an Ausbildungsbetriebe der Region vermittelt wurden.
Handwerk im Landkreis Vechta: 903 Auszubildende
Nach Angaben der Kreishandwerkerschaft Vechta befanden sich zum Stand 12. Oktober 2026 in den erfassten Berufen 903 junge Menschen in Ausbildung, im Oktober 2025 waren es 913. Das ist ein Rückgang um zehn Personen oder 1,1 Prozent. Im Zimmererhandwerk lernen 79 junge Leute, so viele wie seit 2014 nicht mehr. Im Kfz-Mechatronikerhandwerk stieg die Zahl von 202 auf 214, im Malerhandwerk von 31 auf 38 und im Friseurhandwerk von 38 auf 44. Bei den Anlagenmechanikern liegt die Gesamtzahl um 5,6 Prozent höher als im Vorjahr.
Für das neue Ausbildungsjahr sieht die Agentur Vechta einen guten Start: Bislang seien deutlich mehr freie Ausbildungsstellen gemeldet worden als im Vorjahr.

