Berlin. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ruft vor der Wirtschaftskonferenz des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) am 7. Oktober zu einem grundlegenden Kurswechsel in der Entwicklungspolitik auf. Das Hauptaugenmerk müsse auf der stärkeren Einbindung deutscher Unternehmen liegen – insbesondere im Hinblick auf Handel, Investitionen und Rohstoffsicherheit.
Die DIHK kritisiert, dass die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zu sehr auf Einzelprojekte fokussiert sei. In einer Zeit, in der der internationale Wettbewerb um Märkte und Ressourcen zunimmt, brauche es eine strategische Verzahnung mit wirtschaftlichen Interessen. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier betont: „Handel und Investitionen sind keine Nebenschauplätze der Entwicklungszusammenarbeit, sondern die Schlüssel für gemeinsame Zukunftschancen.“
Besonders relevant sei dabei die frühzeitige Einbindung der deutschen Wirtschaft in bilaterale Verhandlungen. Nur durch eine koordinierte Planung könnten nachhaltige Partnerschaften entstehen – etwa im Energiesektor, in der Infrastruktur oder der Landwirtschaft. Treier unterstreicht: „Solche Kooperationen schaffen Wohlstand vor Ort und stärken gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“
Ein zentrales Thema bleibt die Rohstoffsicherheit. Strategische Partnerschaften beim Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Seltenen Erden seien notwendig, um die industrielle Transformation in Deutschland zu sichern. Einseitige Importstrategien reichten nicht aus und könnten langfristig sogar den Marktzugang gefährden.
Die DIHK fordert zudem eine Reform der Förderlandschaft. Gerade für mittelständische Unternehmen seien Finanzierungszugänge und Ausschreibungsverfahren zu kompliziert. Auch Auslandshandelskammern (AHKs) sollten stärker eingebunden werden. Derzeit gingen nur rund elf Prozent der öffentlichen Entwicklungsaufträge an deutsche Firmen – im EU-Durchschnitt liegt die Quote bei 34 Prozent, in den USA sogar bei über 80 Prozent. „Das ist ein gravierender Wettbewerbsnachteil“, warnt Treier.
Der DIHK-Vorschlag zielt auf eine wirtschaftsnahe Ausgestaltung der Entwicklungszusammenarbeit. „Nur wenn wir die Interessen unserer Partner mit Perspektiven für deutsche Unternehmen verbinden, schaffen wir dauerhafte Entwicklung und Handlungsspielraum für Deutschland“, so Treier abschließend.
Quelle: Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK)

