Frankfurt am Main. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsinformationsdienstleisters Dun & Bradstreet zeigt alarmierende Schwächen im Umgang mit Daten innerhalb der deutschen Industrie: Nur 25 Prozent der befragten Unternehmen können vorhandene Informationen systematisch für fundierte Geschäftsentscheidungen nutzen. Die Studie wirft ein Schlaglicht auf strukturelle Defizite, die Effizienz, Resilienz und Innovationsfähigkeit regionaler Produktionsstandorte gefährden.
Die Erhebung basiert auf einer Befragung von 2.000 Fach- und Führungskräften aus fünf internationalen Märkten, darunter Deutschland. Untersucht wurden Themen wie Lieferkettentransparenz, Automatisierungsgrad, regulatorische Anforderungen sowie der Einsatz von Daten und künstlicher Intelligenz. Die Befragung fand im August 2025 statt.
Datenqualität deutsche Industrie im Fokus
Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Nur 10 Prozent der Industrieunternehmen haben zentrale Prozesse wie Lieferantenbewertung, Risikoanalyse oder Kundenmanagement vollständig automatisiert. Der Großteil arbeitet weiterhin mit manuellen oder nur teilweise digitalisierten Abläufen. Bei der Transparenz in Lieferketten verfügen lediglich 13 Prozent über vollständige Einblicke bis in tiefere Zulieferstrukturen. Nur 27 Prozent haben Zugriff auf Daten zu Zöllen und Drittparteien.
„Deutsche Industrieunternehmen investieren massiv in Technologie, aber zu oft bleibt der Erkenntnisgewinn aus“, warnt Björn Gerster, Head of Manufacturing bei Dun & Bradstreet. „Ohne saubere, integrierte Daten können weder KI noch Automatisierung ihre Wirkung entfalten. Das gefährdet nicht nur die Effizienz, sondern auch die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.“
Ein weiteres zentrales Ergebnis: 85 Prozent der Hersteller verfolgen aktuell Nearshoring-Strategien, um geopolitische Risiken und Abhängigkeiten zu minimieren. Die Datenlücke entlang der Wertschöpfungsketten bleibt jedoch ein Schwachpunkt.
Digitalisierung als Wettbewerbsfaktor
Viele Unternehmen planen laut Studie in den nächsten zwölf Monaten gezielte Investitionen in datengestützte Lösungen. Im Fokus stehen Echtzeit-Bestandsverfolgung, Prognosemodelle für Nachfrage und Trends sowie Compliance- und ESG-Daten. Ziel ist eine bessere Risikoeinschätzung und ein höheres Maß an unternehmerischer Reaktionsfähigkeit.
Die zunehmende regulatorische Komplexität, etwa durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und Nachhaltigkeitsvorgaben, macht integrierte Datensysteme zur strategischen Notwendigkeit. Firmen, die jetzt investieren, können sich Wettbewerbsvorteile sichern.