Fahrschulen lehnen digitalen Theorieunterricht ab

Anzeige

Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 2.000 Fahrschulen zeigt massive Kritik an den Reformplänen von Verkehrsminister Patrick Schnieder. Die deutliche Mehrheit befürchtet negative Folgen für die Verkehrssicherheit und warnt vor steigenden Führerscheinkosten.

Die geplante Abschaffung der Präsenzpflicht im Theorieunterricht stößt bei Deutschlands Fahrschulen auf breite Ablehnung. Das zeigt eine Umfrage der MOVING Road Safety Association unter 2.147 Fahrschulen, die zwischen dem 20. und 25. November durchgeführt wurde. 83 Prozent der teilnehmenden Fahrschulen bewerten den Plan des Verkehrsministeriums als negativ bis sehr negativ.

Warnung vor höherem Unfallrisiko

Besonders alarmierend: 84 Prozent der befragten Fahrschulen erwarten durch die Abschaffung der Präsenzpflicht negative oder sehr negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Auch das Kostenargument des Ministeriums überzeugt die Branche nicht: Über 90 Prozent gehen davon aus, dass ein vollständig digitaler Theorieunterricht den Führerschein nicht günstiger macht – viele erwarten sogar zusätzliche Kosten.

Die Auswertung zeigt außerdem, dass nur sechs Prozent der Fahrschulen einen reinen Online-Theorieunterricht unterstützen. „Bemerkenswert ist, dass sich dieser Wert seit Jahren nicht verändert hat – obwohl die Politik immer wieder anderes suggeriert“, bestätigt Jörg-Michael Satz, Präsident der MOVING Road Safety Association.

Blended Learning als Alternative

Rund 40 Prozent sprechen sich für ein Blended-Learning-Modell aus, das Präsenz- und Onlineanteile sinnvoll kombiniert. Mehr als 30 Prozent möchten ausschließlich in Präsenz unterrichten, während rund 24 Prozent noch unentschlossen sind. Zudem rechnen 91 Prozent der Fahrschulen damit, dass bei Wegfall der Präsenzpflicht theoretische Inhalte künftig während der praktischen Fahrstunden im Auto vermittelt werden müssten – ein Faktor, der die Ausbildung verlängert und verteuert.

Experten warnen vor Sicherheitslücken

Sascha Fiek, seit über 20 Jahren Fahrlehrer und Betreiber von sechs Fahrschulen im Raum Freiburg, schlägt Alarm: „Bestimmte Themen im Theorieunterricht lassen sich nicht digital ersetzen: Die Förderung verkehrssicherheitsrelevanter Einstellungen, Erörterungen individueller Fahrerfahrungen, Diskussionen über Risiken sowie emotionale Lernprozesse brauchen Präsenz.“

Die Folge bei reinem Online-Unterricht: mangelnde Vorbereitung auf kritische Situationen im Straßenverkehr – und ein höheres Unfallrisiko. Gleichzeitig wären zusätzliche praktische Fahrstunden notwendig, um Lücken im theoretischen Verständnis auszugleichen.

Auch Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer von der Universität Ulm bestätigt die Notwendigkeit von Theorieunterricht in Präsenz: „Das reine Auswendiglernen von Einzelheiten führt nicht zu Wissen, denn das ist grundsätzlich immer vernetzt und anwendungsorientiert. Richtige Kreuzchen auf einem Fragebogen bedeuten nicht, dass man den Straßenverkehr wirklich versteht.“

Deutliches Votum aus der Praxis

„Die Zahlen unserer Umfrage sind ein unüberhörbares Warnsignal“, sagt MOVING-Präsident Jörg-Michael Satz. „Der Präsenzunterricht ist ein zentraler Sicherheitsbaustein in der Fahrschulausbildung. Wer ihn abschafft, riskiert nicht nur höhere Kosten für die Fahrschüler, sondern vor allem ihre Sicherheit.“

Weiterlesen

Jetzt den kostenlosen Regionalupdate-Newsletter abonnieren.

Gefällt dir’s? Dann teil’s doch!

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Email

Weitere Artikel