Bonn. In der neuesten Ausgabe von „phoenix persönlich“ diskutiert Jörg Thadeusz mit der Politikwissenschaftlerin und Sicherheitsexpertin Dr. Jana Puglierin über die sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas. Die Expertin warnt vor den wachsenden Herausforderungen und betont die Notwendigkeit einer gemeinsamen Verteidigungspolitik.
Europa vor Herausforderungen
In der Sendung betont Dr. Jana Puglierin, die Leiterin des Berliner Büros der Denkfabrik „European Council on Foreign Relations“, dass Europa „stärker werden“ müsse. Der jahrzehntelang gewährte Schutz durch die USA sei nicht mehr ausreichend und die EU müsse sich verstärkt auf ihre eigenen Verteidigungsfähigkeiten konzentrieren. Insbesondere sieht Puglierin in Russland eine Bedrohung, die nicht nur die Ukraine, sondern auch die gesamte europäische Sicherheitsordnung in Frage stellt.
Sie erklärt, dass der Kreml gezielt versuche, Europa zu spalten und die NATO zu destabilisieren. Trotz der Tatsache, dass die europäischen Staaten gemeinsam mehr für Verteidigung ausgeben als Russland, weist sie darauf hin, dass diese Ausgaben bei Berücksichtigung der Kaufkraft vergleichbar sind. „Wir geben viel für Verteidigung aus, aber kaufkraftbereinigt sind die Verteidigungshaushalte nahezu gleich“, so Puglierin.
Fehlende gemeinsame Strategie
Ein zentrales Problem in der EU ist laut Puglierin die mangelnde Einheit im sicherheitspolitischen Bereich. Sie beschreibt Europa als „militärischen Zwerg“, solange es keine gemeinsame sicherheitspolitische Linie gibt. Im Gegensatz zur gemeinsamen wirtschaftlichen Stimme operieren die einzelnen Staaten in Sicherheitsfragen oft isoliert: „Im Bereich Wirtschaft haben wir eine gemeinsame Stimme, im Bereich Sicherheit und Verteidigung sind wir ein Haufen Bonsai-Armeen.“
Bundeswehr und gesellschaftliche Entwicklungen
In Bezug auf Deutschland fordert Puglierin eine stärkere Investition in die Bundeswehr, die in den vergangenen Jahren unterfinanziert war. „Wir haben viele Jahre nicht genug investiert, in denen die Bundeswehr auch abgewirtschaftet wurde“, kritisiert sie. Sie erkennt jedoch auch einen gesellschaftlichen Wandel in der Haltung zur Verteidigung, da es eine wachsende Mehrheit für die Wehrpflicht gibt.
„Deutschland steht an einem historischen Wendepunkt“, sagt Puglierin. Nach Jahrzehnten der Zurückhaltung, in denen das Land aus guten Gründen „nie mehr eine militärische Großmacht“ werden wollte, könnte sich diese Haltung nun ändern.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Insgesamt wird deutlich, dass die sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa weitreichende Konsequenzen für die Politik in Deutschland und der gesamten EU haben. Die Forderungen nach einer stärkeren gemeinsamen Verteidigungsstrategie und die Notwendigkeit, die Bundeswehr finanziell und strukturell zu stärken, sind zentrale Themen, die in den kommenden Monaten an Relevanz gewinnen werden.
Die Diskussion um die Sicherheitspolitik in Europa wird weiterhin für uns alle von Bedeutung sein, da sie nicht nur die militärische, sondern auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität der Region beeinflusst.

