Berlin. Die GKV-Arzneimittelausgaben erreichen 2024 erneut ein Rekordhoch. Der Hauptgrund dafür sind patentgeschützte Arzneimittel, deren therapeutischer Nutzen oft noch nicht ausreichend belegt ist und die lediglich für kleine Patientengruppen gedacht sind. Dies zeigt der aktuelle Arzneimittel-Kompass 2025, der die Herausforderungen der Preisregulierung thematisiert.
Preise für Medikamente steigen stark
Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beliefen sich im Jahr 2024 auf 59,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von über neun Prozent. Besonders auffällig ist, dass patentgeschützte Arzneimittel 54 Prozent der Gesamtausgaben ausmachten, obwohl sie nur für sieben Prozent der verordneten Tagesdosen verantwortlich sind. Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), weist darauf hin, dass die Ausgaben auch in den kommenden Jahren ansteigen werden, da die vorhandenen Preisregulationsinstrumente nicht mehr effektiv wirken.
Ein zentrales Thema des Arzneimittel-Kompass ist die Notwendigkeit einer Reform des AMNOG-Verfahrens (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz). Dies solle um einen kostenbasierten Ansatz erweitert werden, um sowohl den Wert als auch die Kosten von Arzneimitteln transparenter zu gestalten. „Die Steuerungswirkung einer frühen Nutzenbewertung wird durch Umgehungsstrategien der Pharmaunternehmen untergraben“, so Schröder.
Orphanisierung und ihre Auswirkungen
Eine der Strategien, die zu dieser Problematik führt, ist die sogenannte Orphanisierung, bei der Hersteller Arzneimittel für seltene Erkrankungen entwickeln. Diese Medikamente müssen bis zu einer Umsatzschwelle von 30 Millionen Euro keinen Nutzennachweis erbringen. Im Jahr 2024 wurden 24 neue Orphan-Arzneimittel auf den Markt gebracht, die zusammen einen signifikanten Kostenanteil von knapp 14 Prozent ausmachten, obwohl ihr Versorgungsanteil bei weniger als einem Promille lag. „Dadurch wird immer mehr Geld für immer weniger Versorgung ausgegeben“, sagt Schröder.
Die durchschnittlichen Packungspreise im Patentmarkt sind zwischen 2015 und 2024 stark gestiegen – von 4.100 Euro auf 7.700 Euro. 2024 entfielen mehr als 48 Prozent des Bruttoumsatzes im Arzneimittelmarkt auf Produkte, die mehr als 1.000 Euro pro Packung kosten. Die Umsätze von hochpreisigen Arzneimitteln haben sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdreifacht.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
In der Diskussion um faire Medikamentenpreise fordert Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, unter anderem eine Anhebung des Herstellerabschlags und eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Zudem wird eine transparente Darstellung der Forschungs- und Entwicklungskosten der Pharmaindustrie gefordert, um die Öffentlichkeit nicht doppelt belastet werden.
Eine transparente Preisgestaltung sowie eine Reform des AMNOG könnten dazu beitragen, die Belastung der GKV-Arzneimittelausgaben zu verringern und mehr Fairness im Gesundheitssystem zu schaffen. Auch wenn die GKV-Arzneimittelausgaben ein Rekordhoch erreichen, bleibt es entscheidend, Wege zu finden, um die steigenden Kosten gerecht zu gestalten und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

