Berlin. Die deutsche Wirtschaft sieht sich nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gleich doppelt unter Druck: Zum einen bleibt die Exportlage trotz leicht gestiegener Ausfuhren angespannt, zum anderen belastet eine wachsende Umweltregulierung viele Betriebe. Das neue DIHK Umweltbarometer Unternehmen zeigt, wie stark insbesondere Bürokratie und Berichtspflichten den Geschäftsalltag beeinflussen.
DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier bewertet das Exportjahr 2025 trotz eines leichten Plus im Oktober als „äußerst schwach“. Die minimale Erholung könne die insgesamt schwierige Lage nicht überdecken, so Treier. Vor allem die rückläufigen Ausfuhren in die beiden wichtigsten Handelspartner USA und China bereiten Sorgen. Nach Aufholeffekten im September hätten die Lieferungen in die USA wieder deutlich nachgegeben, auch die Exporte nach China seien erneut gesunken. Vieles deute eher auf ein schwaches „New normal“ mit den beiden Wirtschaftsgroßmächten hin als auf eine dynamische Erholung.
DIHK Umweltbarometer Unternehmen zeigt hohe Belastung
Parallel zur außenwirtschaftlichen Lage rückt das DIHK Umweltbarometer Unternehmen die Folgen der Umweltregulierung für den Mittelstand in den Fokus. Ein mittelständischer Betrieb muss inzwischen mehrere Hundert umweltbezogene Vorschriften beachten. Für das neue Barometer wurden fast 1 700 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen befragt, um ein aktuelles Stimmungsbild zur Umweltschutzpolitik zu erhalten.
Die Ergebnisse zeigen: Viele Unternehmen erkennen grundsätzlich den Beitrag von Regulierung zu Umweltschutz und gesellschaftlicher Verantwortung an, in der betrieblichen Praxis ist die Umsetzung jedoch häufig aufwendig. Rund jedes dritte Unternehmen gibt an, bis zu fünf Stunden pro Woche mit administrativen Aufgaben allein durch Umweltregulierungen beschäftigt zu sein. Mehr als jedes vierte Unternehmen kommt sogar auf über acht Stunden wöchentlichen Aufwand. Zwei von drei Betrieben empfinden die damit verbundenen Personal- und Sachkosten als klare Belastung.
Branchen unterschiedlich von Umweltregeln betroffen
Die Umfrage verdeutlicht zudem deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Branchenübergreifend spielen Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft für 45 Prozent der Unternehmen eine zentrale Rolle. In der Industrie kommen zusätzliche Anforderungen zum Umgang mit Chemikalien und Gefahrstoffen hinzu, die 28 Prozent der Betriebe als besonders relevant einstufen. Im Baugewerbe stehen Regelungen zu Bodenschutz und Altlasten bei 27 Prozent der Unternehmen im Fokus.
Im Handel sind produktspezifische Regulierungen – etwa zu Verpackungen oder Elektrogeräten – für 51 Prozent der Betriebe von hoher Bedeutung. Kleine und mittlere Unternehmen leiden besonders unter fehlenden Fachkräften und der komplexen Kommunikation mit Behörden. Rund 20 Prozent nennen Personalmangel als Problem, 31 Prozent die aufwendige Abstimmung mit den zuständigen Stellen.
Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer, betont, dass die Wirtschaft nur dann langfristig stark sein könne, wenn nachhaltig gewirtschaftet und die Umwelt geschützt werde. Übertriebene Dokumentationspflichten, kleinteilige Vorgaben und viel Bürokratie würden jedoch oft wirksamen Umweltschutz ausbremsen, statt ihn zu fördern.
Weniger Berichtspflichten, bessere Rahmenbedingungen gefordert
Das DIHK Umweltbarometer Unternehmen macht auch deutlich, was sich Betriebe von der Politik wünschen. Rund neun von zehn Unternehmen plädieren für weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und einheitliche Regeln auf nationaler und europäischer Ebene. Umweltschutz sei längst Teil der täglichen Unternehmenspraxis – von der Beschaffung über die Produktion bis hin zu Investitionsentscheidungen, so Dercks.
Der DIHK fordert daher, Berichtspflichten zu reduzieren, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, die Digitalisierung voranzutreiben und Umweltregulierungen praxisnäher zu gestalten. Ein wichtiger Hebel soll dabei das anstehende EU-Umweltomnibus-Paket sein. Zudem sollten Unternehmen frühzeitig in Gesetzgebungsprozesse eingebunden werden, um praxistaugliche Regelwerke zu schaffen.
Gleichzeitig verweist DIHK-Außenwirtschaftschef Treier auf die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland insgesamt zu stärken. Ein besserer Mix aus Steuern, Arbeitskosten, Infrastruktur und Regulierung sei nötig, um im härter gewordenen internationalen Wettbewerb zu bestehen. Darüber hinaus müsse die Europäische Union neue Absatzmärkte – etwa in Indonesien, Indien oder ausgewählten afrikanischen Ländern – über zusätzliche Freihandelsabkommen gezielt erschließen.
Für Betriebe in den Regionen bedeuten die Ergebnisse des DIHK Umweltbarometer Unternehmen: Sie bewegen sich in einem Umfeld, in dem sowohl internationale Märkte als auch nationale Regelwerke anspruchsvoller werden. Wie gut Unternehmen mit diesen Rahmenbedingungen klarkommen, hängt maßgeblich davon ab, ob Politik und Verwaltung Bürokratie abbauen und Planungssicherheit schaffen. Hintergründe zu wirtschaftspolitischen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf den Unternehmensalltag finden Leserinnen und Leser auch auf regionalupdate.de. Weitere Informationen zum DIHK Umweltbarometer und zu den Positionen des Verbandes stellt der DIHK unter www.dihk.de bereit.

