Wiesbaden. Golferinnen und Golfer aus zwölf deutschen Clubs haben im Jahr 2025 gezeigt, wie Naturschutz und Sport zusammengehen können. Im Rahmen des bundesweiten Forschungs- und Aufwertungsprojekts GolfBiodivers Citizen Science beteiligten sie sich erstmals aktiv an einem wissenschaftlichen Monitoring von Wildbienen und Wespen auf Golfanlagen. Gemeinsam mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sammelten sie Daten, pflegten Nisthilfen und stärkten zugleich das Bewusstsein für Biodiversität auf dem Golfplatz.
Ziel des einjährigen Projekts war es, Erkenntnisse zum Vorkommen und zur Entwicklung von Wildbienen und Wespen zu gewinnen und ehrenamtlich Engagierte direkt in die Forschung einzubinden. Die Erfahrungen zeigen, dass dieser Ansatz nicht nur wissenschaftlich wertvoll ist, sondern auch das Interesse der Beteiligten nachhaltig vertieft.
Citizen Science auf dem Golfplatz
Im Mittelpunkt von GolfBiodivers Citizen Science stand die Frage, wie sich gezielte Aufwertungsmaßnahmen auf Golfanlagen auf Wildbienen- und Wespenpopulationen auswirken. Hintergrund ist, dass über 50 Prozent aller Wildbienenarten in Deutschland auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Die Doktorandin Anna Klopstock von der Universität Freiburg leitet hierzu einen eigenen Forschungsschwerpunkt innerhalb des Projekts.
Golfer, Clubmitarbeitende und externe Interessierte übernahmen Patenschaften für Nisthilfen. Sie öffneten diese regelmäßig, bestimmten Nester per App und dokumentierten ihre Beobachtungen. Seit April 2025 wurden die gesammelten Daten über die App iDLogics hochgeladen und anschließend wissenschaftlich ausgewertet. Der Auswertungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.
Engagement schafft neues Bewusstsein
Für viele Teilnehmende war das Projekt eine neue Erfahrung. Oliver Brambrink, Greenkeeper im Golf- und Landclub Coesfeld, beschreibt den Aufwand als teilweise hoch, zugleich aber als „ziemlich interessant“. Ähnlich äußerten sich andere Beteiligte, die übereinstimmend berichteten, dass ihr Interesse an Biodiversität durch die aktive Mitarbeit deutlich gewachsen sei.
Klaus Schneiderhahn vom Golfclub Bad Waldsee, pensionierter Biologielehrer, brachte zwar Vorkenntnisse mit, konnte aber dennoch Neues lernen. Besonders überrascht habe ihn, dass auf den Blühwiesen zunächst weniger Bienen zu finden waren als erwartet. Sein Ziel ist es nun, dieses Wissen auch an andere Clubmitglieder weiterzugeben.


Kommunikation und langfristige Wirkung
Auch in anderen Clubs soll das Thema weitergetragen werden. Verena Denning und Verena Ettig-Röhrl vom GC Hochstatt berichten von großem Interesse innerhalb der Mitgliedschaft. Golfanlagen könnten als sogenannte Trittsteinbiotope einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Ein neu errichtetes Wildbienenhaus soll das Engagement dauerhaft sichtbar machen und fördern.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Kontinuität entscheidend ist. Oliver Brambrink weist darauf hin, dass die Förderung von Biodiversität in Golfclubs stark vom Interesse der jeweiligen Gremien abhängt. Eine langfristige Betreuung über wechselnde Vorstände hinweg sei daher wünschenswert.
Erste Ergebnisse stimmen optimistisch
Aus wissenschaftlicher Sicht zieht Anna Klopstock eine positive Zwischenbilanz. Das Engagement der Golferinnen und Golfer sei enorm gewesen. Nach vorbereitenden Workshops lernten die Teilnehmenden kontinuierlich durch die praktische Arbeit an den Nisthilfen. Erste Tendenzen zeigen mehr Brutzellen und teilweise auch mehr Arten als in den Vorjahren.
Besonders auffällig war das häufigere Auftreten der Blattlaus-Wespe, die in den Jahren zuvor nur vereinzelt nachgewiesen worden war. Möglicherweise, so Klopstock, begünstigen neu angelegte Totholzhaufen auf den Golfanlagen diese Entwicklung.
Ausblick für Golf und Naturschutz
Die Nisthilfen bleiben dauerhaft auf den Golfanlagen bestehen. Je strukturreicher die Flächen abseits von Fairways und Grüns gestaltet sind, desto größer dürfte auch der Nutzen für Wildbienen und Wespen sein. Die Teilnehmenden verfolgen diese Entwicklung weiterhin mit Interesse und tragen ihr Wissen in die Clubs hinein.
GolfBiodivers Citizen Science zeigt damit, wie aus sportlich Aktiven engagierte Naturschützer werden können und welchen Beitrag Golfanlagen zur Förderung der Biodiversität leisten. Weiterführende Informationen finden sich im DGV-Serviceportal (https://serviceportal.dgv-intranet.de/umwelt-platzpflege/umweltmanagement/golf-biodivers/allgemeine-informationen-zum-p.cfm) sowie auf der Projektseite der Universität Freiburg (https://uni-freiburg.de/unr-nature/golfbiodivers/).

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