Berlin. Der aktuelle „Konzernatlas 2026“ beleuchtet die Agrarindustrie Marktkonzentration Deutschland und zeigt auf, wie wenige große Konzerne den Agrar- und Lebensmittelmarkt dominieren. Diese Marktmacht beeinflusst nicht nur Preise und Produktion, sondern auch politische Entscheidungen und Umweltschutzmaßnahmen.
Marktmacht konzerne stoppen
Der Konzernatlas 2026 offenbart die starke Konzentration in der Agrar- und Lebensmittelindustrie. Global kontrollieren beispielsweise nur vier Unternehmen mehr als 60 Prozent des Pestizidmarkts und über die Hälfte des Saatguts. In Deutschland dominieren vier große Supermarktketten den Lebensmittelhandel mit einem Anteil von etwa 88 Prozent, verglichen mit 55 Prozent im Jahr 1995. Parallel dazu schrumpfte die Anzahl der Handwerksbäckereien in Deutschland seit 1950 um fast 60 Prozent, während wenige Großbetriebe den Großteil des Umsatzes verbuchen.
Politische Einflussnahme und Lobbyismus
Die Macht der Konzerne zeigt sich nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch. Zwischen 2020 und 2023 gaben neun Lobbyorganisationen mehr als 50 Millionen Euro aus, um eine geplante 50-prozentige Reduktion von Pestiziden auf EU-Ebene zu verhindern. Die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne verursachen zudem erhebliche Treibhausgasemissionen, vergleichbar mit großen Ölkonzernen, und setzen sich gegen strengere Berichtspflichten ihrer Emissionen zur Wehr.
„Je stärker sich Märkte konzentrieren, desto mehr profitieren in Krisenzeiten wenige große Konzerne, während bei vielen Agrarbetrieben kaum etwas ankommt“, sagte Dr. Imme Scholz, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung.
Auswirkungen auf Landwirtschaft und Umwelt
Das starke Marktmonopol beeinträchtigt nicht nur Landwirtinnen und Landwirte, sondern auch die Umwelt. Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, betont die Notwendigkeit starker bäuerlicher Betriebe, die ökologisch wirtschaften und zugleich ausreichend Einkommen erzielen können. Das derzeitige System, in dem wenige Konzerne Preise und Produktionsweisen diktieren, verschiebe ökologische Kosten auf die Allgemeinheit.
Forderungen der Herausgeber
Die Herausgeber des Konzernatlas fordern politische Maßnahmen zur Beschränkung der Marktmacht:
- Einrichtung einer unabhängigen Preis- und Margenbeobachtungsstelle,
- konsequentes Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken,
- Anwendung des Kartellrechts zur Aufspaltung marktbeherrschender Konzerne,
- mehr Transparenz bei politischer Einflussnahme,
- Unterstützung von bäuerlichen Betrieben mit einer Agrarpolitik, die Umweltleistungen honoriert.
„Das Problem sind nicht die Höfe, sondern ein System, in dem wenige Konzerne Produktionsweisen und Preise diktieren“, erklärte Olaf Bandt.
Beispiel: Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Bedeutung für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland
Die Konzentration der Agrarindustrie und Lebensmittelhandelsketten führt dazu, dass die Preise und die Auswahl bei Lebensmitteln durch wenige Akteure bestimmt werden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bergen hohe Marktmacht und begrenzter Wettbewerb die Gefahr eingeschränkter Produktvielfalt und steigender Preise, besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Zudem erschwert die Lobbyarbeit der Agrarkonzerne Fortschritte bei nachhaltigen Umweltauflagen, was langfristige Auswirkungen auf die Qualität von Lebensmitteln und die Umwelt hat.
Für Deutschland sind Schritte wie die Schaffung einer unabhängigen Beobachtungsstelle für Preise und Margen sowie der effiziente Schutz vor unfairen Handelspraktiken wichtige Ansätze, um den Markt für alle Akteure fairer zu gestalten. Erste politische Diskussionen zu diesen Themen laufen bereits, wie auch die Forderungen der Monopolkommission bestätigen.
Weitere Informationen zum Thema und den Forderungen des Konzernatlas 2026 sind auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung verfügbar. Hintergrundwissen zu EU-Umweltstrategien findet sich zudem auf der offiziellen Seite der Europäischen Kommission.
Lesen Sie auch weitere regionale Beiträge zum Thema Agrarwirtschaft und Nachhaltigkeit auf regionalupdate.de.

