Berlin. Die Berichterstattungsstelle geschlechtsspezifische Gewalt am Deutschen Institut für Menschenrechte weist zum Internationalen Frauentag am 8. März auf die Folgen der digitalen Gewalt für Frauen hin. Insbesondere die digitale Gewalt Frauen betrifft, führt häufig dazu, dass Betroffene sich aus digitalen Räumen und der öffentlichen Debatte zurückziehen.
Digitale Gewalt stoppen
Digitale Gewalt gegen Frauen zeigt sich in vielfältigen Formen. Dazu gehören Drohungen per E-Mail, das Verbreiten intimer Bilder oder das Weitergeben personenbezogener Daten wie Telefonnummern in Chats. Auch Überwachungen mit modernen Technologien zählen dazu. Solche Angriffe sind oft eine Fortsetzung analoger Gewalt und werden durch neue technische Möglichkeiten verstärkt.
Umfang und Auswirkungen
Die Berichterstattungsstelle verdeutlicht, dass Frauen, die online Gewalt erfahren, häufig aus Angst vor weiteren Angriffen öffentlich schweigen oder politische Ämter aufgeben. Dies wird als „Silencing-Effekt“ bezeichnet und hat gravierende Folgen für die Demokratie, da wichtige gesellschaftliche Perspektiven verloren gehen.
„Die Gewalt ist digital, der Schaden für die zivilgesellschaftliche und politische Beteiligung real. Wenn Frauen aus Angst vor Angriffen im Netz in öffentlichen Debatten schweigen oder politische Ämter niederlegen, hat das weitreichende Folgen: Die Vielfalt gesellschaftlicher Perspektiven schwindet – das schwächt unsere Demokratie“, sagte Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte.
Forderungen der Berichterstattungsstelle
Die Berichterstattungsstelle fordert die schnelle und konsequente Umsetzung der EU-Gewaltschutzrichtlinie und des Gewalthilfegesetzes. Diese Regelungen müssen digitale Gewalt explizit adressieren. Ebenfalls notwendig sind verbesserte Präventionsmaßnahmen und eine Reform des Strafrechts, um bildbasierte sexualisierte Gewalt besser erfassen zu können.
- Beratungsstellen und Frauenhäuser brauchen mehr Personal und finanzielle Mittel für die speziellen Herausforderungen digitaler Gewalt.
- Die Datenlage zu digitaler Gewalt soll verbessert werden, um die Problematik sichtbarer zu machen.
- Fortbildungen für Polizei, Justiz und andere Fachkräfte sind essenziell, um digitale Gewalt als gravierende Gewaltform anzuerkennen.
Müserref Tanriverdi, Leiterin der Berichterstattungsstelle, betont:
„Häufig ist die digitale Dimension der Gewalt eine Fortsetzung analoger Gewalt. Dabei ermöglichen neue Technologien den Tätern einen fast grenzenlosen Zugriff auf die Betroffenen – und digitale Unternehmen bringen immer neue technologische potenzielle ‚Tatmittel‘ auf den Markt. Die Politik ist gefordert, umfangreiche rechtliche und tatsächliche Maßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen zu schaffen.“
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Auch in der Region sind Frauen und Mädchen von digitaler Gewalt betroffen. Die Folgen reichen von psychischen Belastungen bis hin zu gesellschaftlicher Ausgrenzung. Für Betroffene vor Ort bedeutet das eine größere Hemmschwelle, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Der Ausbau von Beratungsangeboten und die bessere Vernetzung von Hilfsangeboten könnten den Betroffenen gezielt Unterstützung bieten.
Zudem sind politische Entscheidungsträgerinnen und -träger gefordert, die Schutzmechanismen nach den Empfehlungen der Berichterstattungsstelle umzusetzen. Mit dem Ziel, digitale Gewalt besser zu erfassen und zu bekämpfen, sind entsprechende Schulungen für Polizei und Justiz sowie mehr finanzielle Mittel für Frauenhäuser geplant.
Weitere Informationen zum Thema digitale Gewalt und Schutzmöglichkeiten bietet das Deutsche Institut für Menschenrechte auf seiner Themenseite geschlechtsspezifische Gewalt. Ergänzende Hintergrundinformationen bietet auch der Monitor Gewalt gegen Frauen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention.
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