Berlin. Die Verwaltungsdigitalisierung Deutschland Online kommt weiterhin nur schleppend voran. Drei Jahre nach Ablauf der ursprünglichen Übergangsfrist des Onlinezugangsgesetzes (OZG) sind erst knapp elf Prozent der gesetzlich vorgeschriebenen Verwaltungsdienstleistungen bundesweit digital verfügbar.
Digitalisierung wächst langsam
Die aktuelle Analyse des Behörden-Digimeters 2026, erstellt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen politischen Versprechen und der Realität in den Verwaltungen. Insgesamt sind von 7.509 relevanten Einzelleistungen lediglich 823 flächendeckend online zugänglich – das entspricht rund elf Prozent. Die bisherige Methodik, die das Vorhandensein nur einzelner digitaler Teilleistungen als «erfüllt» wertete, verzerrte die tatsächliche Lage erheblich und führte zu zu optimistischen Erfolgsmeldungen.
Bundesweite Unterschiede in der Umsetzung
Die Umsetzung der Verwaltungsdigitalisierung erfolgt sehr unterschiedlich zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Während der Bund bereits etwa zwei Drittel seiner Leistungen auf einem grundlegenden digitalen Niveau anbietet, bleibt die Digitalisierung in den Ländern und Kommunen, die für rund 75 Prozent der Leistungen zuständig sind, stark hinterher.
Bundesländer im Vergleich
Das Behörden-Digimeter zeigt deutliche regionale Unterschiede:
- Nordrhein-Westfalen führt das Bundesländer-Ranking mit 21 Prozent digitaler Coverage (1.586 Leistungen) an.
- Hamburg und Bayern folgen auf den Plätzen.
- Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zeigen Fortschritte, liegen aber noch deutlich hinter Vollständigkeit zurück.
- Am unteren Ende rangiert das Saarland mit einem Anteil von etwa 15 Prozent digitaler Verfügbarkeit beziehungsweise 85 Prozent Nicht-Verfügbarkeit.
„Deutschland bleibt eine Digitalwüste. Der Staat hält sich nicht ansatzweise an seine eigenen gesetzlichen Verpflichtungen zur Verwaltungsdigitalisierung“, sagte Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der INSM. „Das frustriert nicht nur die Bürger, sondern entwickelt sich zu einem massiven Standortnachteil.“
Forderungen für bessere Förderung der Digitalisierung
Als Reaktion auf die Ergebnisse fordert die INSM konkrete Maßnahmen für eine beschleunigte Digitalisierung. Dazu gehören bundesweit gültige Standardlösungen – gerade für kommunale Verwaltungsleistungen – sowie die Priorisierung häufig genutzter Dienste wie Baugenehmigungen und Unternehmensanmeldungen. Ein ineffizientes Nebeneinander individueller kommunaler Entwicklungen solle vermieden werden.
Zudem betont Alsleben die Notwendigkeit, bereits jetzt über eine vollständige Digitalisierung hinaus auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zu setzen, um die Behörden zu entlasten und Abläufe zu beschleunigen. Diese Aspekte seien bisher kaum behandelt worden.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Verwaltungsdigitalisierung in der Region und Ausblick
Die langsame Digitalisierung der Verwaltungen betrifft auch Bürgerinnen und Bürger in den Bundesländern sowie auf kommunaler Ebene. Praktisch bedeutet dies häufig anhaltende Präsenzbesuche in Ämtern sowie längere Bearbeitungszeiten. Der Ausbau digitaler Dienstleistungen erleichtert dagegen den Zugang zu behördlichen Leistungen, verringert Wartezeiten und stärkt die Effizienz der Verwaltung.
Die Landesregierungen und kommunalen Verwaltungen sind gefordert, stärker mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) zusammenzuarbeiten, um bundesweit kompatible und nutzerfreundliche Online-Angebote zu schaffen. Geplante oder laufende Pilotprojekte können hier als Vorbild dienen. Für Bürger stehen bereits jetzt Informationen und Hilfestellungen zum Thema digitale Verwaltung auf offiziellen Webseiten zur Verfügung, etwa bei digital.verwaltungsportal.de.
Weitere Informationen zur Entwicklung der Verwaltungsdigitalisierung finden Interessierte auch auf regionalupdate.de, dem Portal für aktuelle Entwicklungen in der öffentlichen Verwaltung.
Die vollständige Digitalisierung der Verwaltung bleibt ein langfristiges Ziel, das weiterhin intensive Anstrengungen erfordert, um den Anforderungen einer modernen, bürgernahen Verwaltung gerecht zu werden.
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

