Berlin. Der deutsche Mittelstand bildet das Herzstück der Wirtschaft, liefert rund 60 Prozent der Arbeitsplätze und erstellt über die Hälfte der Wirtschaftsleistung. Doch laut dem United Interim Wirtschaftsreport 2026 stehen viele Unternehmen vor erheblichen Herausforderungen Mittelstand Deutschland, die ihren Erfolg und ihre Zukunft gefährden.
Mittelstand im Fokus
Zentrale Herausforderungen im Mittelstand
Die Umfrage unter 550 Interim Managern zeigt, dass Überbürokratie mit 82 Prozent als größtes Problem angesehen wird. Besonders zähe Genehmigungsverfahren behindern die Entwicklung, vor allem im Bauwesen, wie Klaus-Peter Stöppler hervorhebt. Der zunehmende Wettbewerbsdruck aus China belastet 71 Prozent der Befragten, wobei 41 Prozent China-Importe als Gefahr einstufen. Die Konkurrenz aus den USA wird hingegen von weniger als 35 Prozent als bedrohlich empfunden, trotz des Innovationsdrucks im Bereich Künstliche Intelligenz.
Ein weiteres zentrales Thema sind die hohen Energiekosten und schwache digitale Infrastruktur, welche jeweils von 58 Prozent als Hindernisse genannt werden. Die Studie weist darauf hin, dass rund 40 Prozent der Gewerbegebiete kein gigabitfähiges Breitband bieten, was über 60 Prozent der Firmen beeinträchtigt. Hohe Unternehmenssteuern und wachsende Lohnkosten hemmen ebenfalls das Wachstum. Finanzierungen durch Banken werden aufgrund strenger EU-Regulierungen schwieriger, was Investitionen bremst.
Interne Entwicklungsdefizite und Fachkräftemangel
Interim Manager kritisieren eine mangelnde Innovationskraft bei 72 Prozent der Mittelständler. Überalterung der Belegschaft gilt mit 90 Prozent als schwerwiegendes Problem, ausgelöst durch Fachkräftemangel und geringe Attraktivität für ausländische Arbeitskräfte. Das niedrige Bildungsniveau junger Menschen verschärft die Situation zusätzlich. Für den Mittelstand stellt die Anpassung an den digitalen Wandel und Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Business Development und Kundenservice ein großes Potenzial dar, das derzeit noch zu wenig genutzt wird.
„Unsere Berufsgruppe wird häufig ins Boot geholt, um strauchelnde Firmen zu sanieren und wieder auf Erfolgskurs zu bringen“, sagte Dr. Harald Schönfeld, Geschäftsführer von United Interim.
Reformbedarf und Handlungsempfehlungen
84 Prozent der Befragten fordern einen massiven Abbau der Bürokratie und beschleunigte Genehmigungsverfahren. Ebenso wichtig sind für 68 Prozent die Senkung von Lohnnebenkosten. Eine Migrationsreform zur gezielten Gewinnung qualifizierter Fachkräfte sowie eine vereinfachte Visa-Vergabe finden große Zustimmung. Zur Fachkräftesicherung empfehlen Experten eine stärkere Einbindung der Generation Z und der älteren Beschäftigten sowie einen Fokus auf tatsächliche Kompetenzen statt auf formale Abschlüsse.
„Der fatale Dreiklang aus überbordender Bürokratie, hoher Steuerbelastung und kafkaeskem Arbeitsrecht führt zu einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale“, fasst Jane Enny van Lambalgen zusammen.
Unternehmen sind zudem dazu aufgerufen, eigenverantwortlich neue Marktchancen zu erschließen und betriebsinterne Bürokratien abzubauen. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie eine engere Kooperation mit Hochschulen werden ebenfalls als wichtig erachtet.
Weitere Ergebnisse des Reports finden Sie auch bei United Interim. Zum Thema Mittelstand informiert zudem das Institut für Mittelstandsforschung.
Ausblick und Handlungsschritte
Der United Interim Wirtschaftsreport 2026 zeigt, dass grundlegende Reformen für den Mittelstand in Deutschland überfällig sind. Politisch liegt die Herausforderung darin, Überregulierung abzubauen, die digitale Infrastruktur zu verbessern und eine wirtschaftsfreundlichere Umgebung zu schaffen. Unternehmen werden ermutigt, selbst aktiv zu werden und ihre Geschäftsmodelle sowie Strukturen frühzeitig an den Wandel anzupassen. Fachkräftesicherung durch Bildung, Migration und bessere Wettbewerbsfähigkeit bleibt eine der Kernaufgaben. Im Jahresverlauf 2026 werden insbesondere politische Entscheidungen und unternehmerische Initiativen den Kurs für den Mittelstand maßgeblich bestimmen.
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